worum es geht, darum geht es längst nicht mehr.

anfang 2011 ging´s noch drum. als ich mich entschloss, gegen den damals veröffentlichten vorschlag der eu-kommission für die eu-weite einführung eines motorrad - abs anzuschreiben. mich an die interessenvertretungen der motorradfahrer wandte. an verschiedene verbände. die redaktionen einiger motorradzeitschriften. an etliche blogger, an das eu-parlament mit einer petition. den lauf der dinge und das gesetzgebungsverfahren konnte ich nicht aufhalten.

die abs-pflicht ist mittlerweile beschlossene sache, ab 2016 werden neue motorradmodelle damit obligatorisch ausgestattet sein.

 

ich hätte antifah.de also schliessen können, um wieder in vollen zügen nur das zu tun, was ich vorher tat – motorradfahren, rennen gucken und mit den kumpels einen trinken.

 

durch die erfahrungen aber, die ich zwischenzeitlich gemacht hatte - den miesen mit den interessenverbänden, den bloggern, den redaktionen, dem eu-parlament, ihrer völligen interessenlosigkeit am thema überhaupt, den guten mit denen, die bereit waren, offen zu diskutieren...

...stellte ich fest, was noch immer gilt: die eu ist nur ein geballter haufen wirtschaftsinteresse, die redaktionen der motorradzeitungen kaum mehr als industriepostillen und die mehrzahl der motorradblogs pupsen nichts als unbedarfte mickrigkeiten ins netz.

 

nicht dass antifah dagegen anstinken könnte. trotzdem grund für mich weiterzumachen mit antifah. mir ramsauers 8punktesindnunaberwirklichgenugreform anzutun (auch schon erledigt, weil beschlossene sache). schaars infofreiheitsgesetz zu probieren. und den ein oder anderen text zu radebrechen, fahrhilfenfrei – dafür nämlich steht das akronym antifah.

 

 

 

der text von 2011:  

 

 

antifah!

 

ein aufruf!

zum widerstand.

zur formulierung einer gegenöffentlichkeit.

 

zur politischen einflussnahme.

die nein sagt.

zum einsatz elektronischer fahrhilfen.

wie abs oder traktionskontrolle.

 

nein,

wer schon sehnlich auf das neue motorradmodell xy gewartet hat, das endlich serienmässig mit einem abs augerüstet ist, der darf jetzt ganz entspannt weiterlesen, sich darüber freuen, dass sein wunsch in erfüllung geht.

von ihm wird keine ABStinenz verlangt.

das gilt auch für den, der sich den neuen supersportler mit traktionskontrolle schon in die garage gestellt hat.

 

der geist (der elektronischen fahrhilfen) ist eh aus der flasche.

in die er sich bekanntlich nicht zurück stopfen lässt.

die systeme sind am markt, sie sind bereits ein etablierter teil der motorradwelt, der wertschöpfung, der werbung, des käuferwunsches.

 

aber nicht eines jeden.

 

es gibt tatsächlich motorradfahrer, die ohne diese unterstützenden systeme motorrad fahren. möchten.

denen es dabei nicht darum geht, zu behaupten, die käuflichen abs-systeme seien technisch unzureichend.

und auch nicht um den vergleich der bremswege, wie sie mit oder ohne abs zu erreichen sind. nicht darum, ob unter günstigen bedingungen ein abs-frei gebremstes motorrad früher zum stehen kommt. oder darum, dass eine elektronisch tastende bremse bei bremsungen mit reibwertsprüngen, womöglich noch auf nasskalter fahrbahn, das wohl effektivere system ist.

so wie auch zugestanden wird, dass eine traktionskontrolle die motorenleistung mit hoher effizienz an das übertragungsvermögen des reifens anzupassen in der lage ist. auch hier interessiert nicht der vergleich mehr oder minder aufwendiger systeme. ohne belang ist, dass vereinzelt fahrer auf höchstem (rennsport)niveau ohne einsatz eines solchen systems schneller aus der kurve kommen.

um all das geht es nicht.

 

sondern darum, selbstbestimmt auf die schnauze fallen zu dürfen.

 

dinge wie die bauart des motors, der unter einem wummert, brabbelt oder kreischt, der treff mit den kumpels, das ungepflegte benzingespräch, der wind, der einem um die nase weht – all dies ist an manchen tagen schön wichtig, aber letztendlich aufs ganze gesehen, doch nur beiwerk.

 

 ein bestandteil des motorradfahrens ist die sportliche auseinandersetzung mit dem motorrad, seiner fahrdynamik, den physikalischen möglichkeiten, den begrenztheiten. der auseinandersetzung mit den eigenen fähigkeiten, ihrer entwicklung.

sie zu trainieren, sie ehrgeizig zu verbessern, darum geht es. ob auf der landstrasse oder dem rundkurs. wo auch immer.

 

den gasgriff feinfühlig zu bedienen, mit stützgas in die kurve zu gehen, noch in schräglage früh das gas aufzuziehen, den schmalen grat der reifenhaftung zu kontrollieren - das ist es doch, was einen gutteil des reizes am schnellen motorradfahren ausmacht.

in diesem sinne ist der einsatz einer traktionskontrolle zutiefst unsportlich.

und wenn es um den vergleich mit anderen geht, sogar unritterlich.

 

auch das bremsen, zugegebenermassen keine immer ganz leichte übung, lässt sich durchaus trainieren.

es ist ein hoher anspruch, den man als fahrer zu erfüllen hat. um so grösser die befriedigung, wenn man es beherrscht. auch in der not.

 

um auch das klipp und klar zu sagen: es geht nicht um die behauptung, fähiger zu sein als ein elektronisch geregeltes system. auch nicht darum, den fahrerischen überflieger zum mimen.

 

sondern darum, die eigenen unzulänglichkeiten auszuhalten, sie im rahmen der persönlichen machbarkeiten zu verbessern.

das kann dann auch bedeuten, keinen supersportler der 180 ps klasse zu fahren.

 

und darum, einen kontrapunkt zu setzen gegen die forderungen nach einer abs – pflicht. 

 

den herstellern, den importeuren, den händlern zu zeigen, dass es einen bedarf an „ungeregelten“ motorrädern gibt. käufer, die ohne fahren wollen.

dass es darum vollkommen ausreichend ist, die motorräder mit diesen systemen optional anzubieten.

 

allen, die meine meinung teilen, die auch in zukunft das motorradmodell ihrer wahl - und sei´s auch ein supersportler - ohne abs und ohne traktionskontrolle wollen, will diese seite eine plattform sein, eine möglichkeit, dieses anliegen zu formulieren, es verbreiten.

 

ihr dürft antifah.de also gerne verlinken.

 

in euren foren, bei euren bekannten, bei händlern, importeuren, zeitschriften, verbänden – wo auch immer ihr glaubt, dass es sinnvoll ist.

in der hoffnung, eine äusserst unspassige entwicklung ein wenig beeinflussen zu können.

 

antifah

ein aufruf!

 

"riding shouldn't be about electronics, the limit is yours and yours only" (simon crafar)