ich fuhr durch nepomuk

 

ich fuhr durch nepomuk

 

links liegen ein paar häuser, zäune, gärten, bäume, vielleicht ein hof, ich achte nicht darauf, mein blick gilt der strasse, rechts der ort, ich kenne ihn nicht, wahrscheinlich besteht er nur aus ein paar dutzend gebäuden, einer kirche, dem rathaus, ein, zwei kneipen.

eingangs des ortes habe ich zweimal runter geschaltet, bin kurz auf die bremse, gerade so, dass der feste druck für den bruchteil einer sekunde hart auf die räder durchdringt, dann, vorbei am ortsschild, wieder einen gang hoch, mit kommoder drehzahl, auf einer strasse von mittlerer breite; jetzt, bereits nach zwei, drei kilometern das ortsausgangsschild, ich schalte runter, die strasse führt bergan, gas, oben knickt sie links weg.

den ort hatte ich vor mir gesehen, einige hundert meter schon, nach einer kurve, weich über eine leichte kuppe kommend.

nepomuk liegt im wellental zweier hügel.

 

als ich die strecke plante, zuhause auf dem zimmerboden kniend, strassenkarten ausgebreitet vor mir, war nepomuk eines dieser kleinen, verschlafenen dörfer. eines von ungezählten durch die ich seit jahren fahre.

auf meinem weg richtung süden. die ersten paar hundert kilometer in grossen, weiten schwüngen über gewelltes land. dann in schnellen kurven über breite landfalten, die sich bald schon aufwerfen zu langen bergrücken.

die kurvenradien werden enger. ich überfahre die grenze in die fremde. die doch keine mehr ist, weiss ich ja seit langem , was mich erwartet: ein anderer asphalt, mit seinen kleinen verwerfungen, rillen; unangekündigt grauer rollsplit auf grauem teer. auch die kurvenverläufe sind irgendwie anders, weniger offen vielleicht.

 

bald schon biege ich ab, mäander durch ein land der tausend dörfchen zwischen den tausend hügeln über tausend kleinste strässchen. hühner picken frei laufend neben der strasse, stieben mit schnell tickende köpfen beiseite; selten entscheidet sich eines für die falsche richtung, will die strasse vor mir queren, um auf der anderen seite unter einem zaun hindurch zu tauchen; so ein huhn, im zickzack vor einem, will mit bedacht behandelt werden, damit es beizeiten ordentlich gerupft und nicht zerfleddert im kochtopf lande; und mit einsehen, denn es hat ja keine ahnung von der fahrphysik, reagiert, wenn, das motorrad nach rechts fahren soll, auf den impuls des vorderrads nach links, also kurz auf die bremse, leicht, die strasse ist staubig, und warten, es dauert ja nur einen augenblick, bis das huhn meine tatsächliche richtung realisiert hat.

 

einige hundert kilometer weiter, rund 500 sind es nun, seit ich losfuhr, ändert sich die landschaft. und mit ihr die strasse. nur selten noch gibt es dörfer, wenig felder, ein paar wiesen, dafür viel wald. und aus dem strässchen - zweiter, dritter, vierter gang und gleich wieder zurück - wird eine höllisch schnelle achterbahn, der wagen - dieses mal bin ich mit dem auto unterwegs - wird leicht, unablässig wechseln die radien der kurven, spät, sehr spät noch machen sie unvermittelt zu.

jetzt, da nepomuk vor mir liegt, realisiere ich, dass es gar keines dieser unzähligen dörfchen ist, sondern eine kleine stadt. zwar nur ein paar tausend einwohner gross, aber damit bereits zu gross, um sie ohne nennenswerten zeitverlust zu durchfahren. denn eine stadt bedeutet immer: vermehrten verkehr bei arg beschränkter geschwindigkeit, keine möglichkeit, zu überholen, wartezeiten an ampeln. und damit, will man tausend landstrassenkilometer an einem tag abreissen, eine zu erhebliche verschlechterung des schnitts. tanken, pinkeln, trinken. mehr verzögerung sollte nicht sein.

ich wende. offenbar hatte ich einen abzweig verpasst;

ein kleines stück aber, ein paar hundert meter nur, bin ich dann eben doch durch nepomuk gefahren.

 

nepomuk verdankt seinen namen einem heiligen.

das wusste ich nicht, als ich damals, vor jahren, den namen das erste mal auf einem strassenschild sah. so wenig ich heilige überhaupt kenne, kannte ich diesen, hatte noch nicht einmal von ihm gehört.

und trotzdem war mir der name nepomuk vertraut, ich wusste, es hatte etwas mit meiner kindheit zu tun; gab es nicht in der sesamstrasse eine figur, die so hiess?

nicht ganz, zuhause fand ich dies: http://de.wikipedia.org/wiki/Hallo_Spencer

 

aber auch das:

http://www.youtube.com/watch?v=PiDykxi5h5g

 

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