horex. konkursmasse fahren.

konkursmasse fahren

 

konkursmasse zu fahren ist beinahe so ruchlos wie whistle zu blowen. selbst wenn die konkursmasse so brav ausschaut, wie die

horex.

zumindest in der classic variante wirkt sie bieder wie weiland helmut kohl in joppe am wolfgangsee. vielleicht hat die version roadster da einen spritzer mehr esprit. 

 

wir stehen rund 120 km südwestlich von berlin, in einer landschaft, in der vor 140.000 jahren eine eiszeit so gnädig war, ein paar endmoränen in ihr liegen zu lassen. über die haben die strassenbauer einige nett geschwungene kurven gebaut.

vor uns stehen drei horex vr6, zwei roadster, eine classic.

sie warten auf uns.

wir werden sie probefahren.

 

auf der fahrt dorthin hatte ich mir in meinem helm überlegt, mit welchen motorrädern eine horex zu vergleichen wäre – zu vergleichen hat der mensch halt immer was: äpfel mit birnen, altes mit neuem, dickes mit dünnem. weil es von bmw noch keine unverkleidete 6–zylinder gibt, fiel mir die cr&s due ein. die hat zwar nur 2 zylinder, aber wie die horex wird sie von hand in einer manufaktur zusammengebaut. zu einem ähnlichen preis. und sie ist keine musclebike wie eine vmax, das auf fette beschleunigungen getrimmt ist, sondern, so erklärte mir das einmal die mo, ein ziemlich fahraktiv ausgelegtes motorrad.

jedenfalls, so dachte ich, würde ich, wollte ich den besonderen auftritt und hätte dafür rund 25 tausend scheine in der hinterhand, die cr&s nehmen: weil die hotpants ist im vergleich zur krachledernen horex.

als ich der horex aber auf ihren anlasserknopf drückte, liess die ihre lederhosen runter: zum vorschein kam ein verdammt sexy arsch von sound: rotzig fauchend wie ein triple und gleichzeit voll tönend wie ein dicker v4.

 

die klangkulisse aus ansauggeräusch und offener auspuffklappe ist auch während der fahrt das zentrale erlebnis auf der horex. der ton ist so schmutzig, dass man versteht, warum dieser spiessig dreinschauende kohl die ganze zeit eine affäre mit schwarzgeld hatte.

ich sitze entspannt, aufrecht, der lenker liegt gut in der hand. der motor schickt feinziselierte vibrationen in meine hände. die übergänge beim gasanlegen nach dem schalten sind etwas ruppig, die lastwechsel deutlich. was sicher nur ein frage der gewöhnung und einiger kilometer mehr ist; nur flachgelutschte nx-delphine fahren sich bereits nach dem ersten meter derart widerstandlos, dass ausschliesslich die ganz zahmen vollstrecker zufrieden sind. und des mappings, von drei zur verfügung stehenden modi war nämlich das sportliche angewählt.

 

gewählt hatte ich die probefahrt übrigens mit sozia. eine gute wahl für mich. eine schlechte für meine mitfahrerin. denn wiewohl das üppige sitzpolster und der vergleichweise kommode kniewinkel über den beifahrerfußrasten für die mitnahme einer hübschen blonden sprechen, die vibrationen sind hinten drauf offenbar so ausgeprägt, dass ihr sofort die füsse taub wurden.

 

mir hat die horex richtig gute laune gemacht. dafür hat sie noch ein paar weitere produktionsjährchen verdient. die tatsache, dass der insolvenzverwalter diese probefahrtaktion des berliner händlers gut hiess, werte ich gerne als positives signal für einen fortbestand der marke.

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Made (Dienstag, 09 September 2014 08:19)

    Hey Jens,

    lese immer sehr gerne, was Du gelegentlich von Dir gibst. Den sexy Sound konnte ich auch schon live hören, der ist echt nicht von schlechtern Eltern. Interessant und verwirrend Deine Aussage zur Sozia-Tauglichkeit. Ich lese da "hübschen Blonden" was selbstverständlich gut ist, hatte aber da anderes von Dir in Erinnerung. Aber egal, so lange ihr "nur" die Füße eingeschlafen sind geht´s ja noch ;-))
    Bleibt noch die Optik und da habe ich halt ein Problem mit dem Moped. Der Vergleich mit uns aller Kohl ist nicht verkehrt, allerdings gelang es diesem trotzdem über viele Jahre die Wähler von sich zu überzeugen, was Horex bei den Käufern ganz eindeutig nicht gelungen ist. Ganz ehrlich, hätte ich 25 große Scheine würde ich sie nicht für dieses Moped ausgeben. Es gibt den abgedroschenen Spruch von "immer wenn Du in Deine Garage gehst etc. etc." und da versagt das Moped halt. Schade an und für sich daß so viel unternehmerischer Mut nicht belohn wird, aber das ist halt so in der Marktwirtschaft . . . .

    Gruß aus Oberschwaben

    MADE

  • #2

    antifah (Dienstag, 09 September 2014 08:59)

    hey made. eine sozia ist eine sozia ist eine sozia. und meine sass nur zu hehren testzwecken hinten drauf. ausserdem stand gerade keine andere farbe zur verfügung.
    es geht mir wie dir, ich muss angetan sein, wenn ich das garagentor aufziehe. ob horex versagen ein optisches ist? vielleicht ist das tatsächlich das kardinale problem. und weniger die tatsache, dass so ein mikrohersteller halt für den besitzer des motorrads nicht schon per se ein versprechen für eine verlässliche zukunft ist?

  • #3

    reppentown (Dienstag, 09 September 2014 19:14)

    Hi Jens,

    mal wieder ein netter Bericht. Ich find` die Horex übrigensgarnicht mal so schlecht, obwohl ich sie noch nicht gefahren bin. Ein paar Details geändert und schon wäre sie personalisiert. Ich hoffe, die halten sich, es wäre doch irgendwie schade drum.

    Gruß
    Frank

"riding shouldn't be about electronics, the limit is yours and yours only" (simon crafar)