die lustbremse

 

die lustbremse 

 

fahren wir auf unseren strassen, gilt die stvo.

fährt man über die einfach hinweg und lässt sich dabei erwischen, wird man bestraft.

die stvo ist die anleitung wann, wie, wo, was zu geschehen hat.

sie ist der katechismus des strassenverkehrs.

 

das wiener übereinkommen über den strassenverkehr ist ein völkerrechtlicher vertrag. es gibt unserer stvo quasi den ethischen rahmen.

der ist nicht vom himmel gefallen. sondern wurde von einer un-konferenz erarbeitet und 1968 beschlossen.

 

jetzt wurde das wiener übereinkommen verändert, gerade eben im mai. vor allem daimler-benz hat sich für die veränderung eingesetzt. um in zukunft mit autonomen und car connected fahrsystemen geld verdienen zu können.

http://www.welt.de/wirtschaft/article128095552/UN-revolutionieren-Strassenverkehrsregeln-von-1968.html

 

nach auffassung etlicher verkehrsrechtler agierten bereits systeme wie das abs und das esp zumindest in einem rechtlichen graubereich. nach meiner unmaßgeblichen meinung waren sie im sinne des textes nicht genehmigungsfähig, da es als fahrer keine möglichkeit gibt, in ihre abläufe einzugreifen und sie jederzeit abzuschalten.

 

mit dem hinweis, es sei nicht der zweck der wiener übereinkunft, den technischen fortschritt zu blockieren, wurde der wortlaut von den zulassungsbehörden allerdings offenbar anders ausgelegt.

http://www.sachverstaendigentag21.de/svt2008/downloads/2._Vertrag_-_Prof._Kempen_-_Praesentation.pdf

 

die rechtsprobleme, die durch autonome fahrsysteme aufgeworfen werden, gehen darüber jedoch hinaus.

einen guten artikel dazu gibt es hier:

http://www.zukunft-mobilitaet.net/17991/analyse/rechtslage-autonomes-fahren-regelungen-gesetz/

 

ich vermute, dass mit den jetzt vorgenommenen veränderungen die rechtsproblematik nachhaltig gelöst ist. in der verantwortung bleibt, wie bisher auch, der fahrer – oder nennen wir ihn besser: fahrzeugführer – da er die möglichkeit erhalten soll, in die systeme einzugreifen.

 

die situation wird mit der im flugverkehr vergleichbar sein: ein pilot sitzt in einem vom autopiloten gesteuerten flugzeug. seine obligenheit ist es, die bewegung des flugzeugs nachzuvollziehen und das ordnungsgemäße funktionieren der systeme zu kontrollieren.

 

keinenfalls wird der fahrzeugführer der zukunft zeitung lesend und bier trinkend in seinem auto hocken dürfen.

 

unbenommen von dieser verantwortlichkeit bleibt die haftung des (fahrzeug-)herstellers oder des (verkehrs-)dienstleisters. ist sein system die ursache für einen unfall, so ist er haftbar. so wie auch der flugzeughersteller oder die airline ein problem hat, wenn nach einem absturz menschliches versagen des piloten ausgeschlossen werden kann.

 

auf clemens gleich mojomag habe ich vor ein paar tagen einen spannenden artikel gelesen. der sich mit etwas beschäftigt, was clemens einem text auf heise.de folgend, die ethikbremse nennt.

http://www.mojomag.de/2014/07/die-magie-der-ethikbremse/

 

dass unser verständnis von technik, zumal von komplexer, häufig bescheiden bis gar nicht vorhanden ist, ist sicherlich richtig. ein kurzer griff an meine eigene nase überzeugt mich davon. und wie wenig einblick manchmal gefragt ist – und deshalb vom hersteller auch gar nicht erst gegeben wird – sah ich vor einiger zeit, als ich in der bedienungsanleitung eines renault blätterte. 

 

die neigung, die uns umgebenden dinge mit menschlichen eigenschaften zu versehen, sie zu vermenschlichen, zumal die, die sich bewegen, gilt für den fuffi und die mimi wie für viele andere tiere, die nicht mit der fliegenpatsche tot gehauen werden können. genauso wie für gott. und unsere fahrzeuge.

 

ein attribut wie „besser“ ist als qualifizierender vergleich zwischen zwei motoren angemessen, wenn der eine zum beispiel ein weicheres ansprechverhalten hat.

wenn es aber um zusammengesetzte angelegenheiten wie das leben und die zukunft per se geht, dann greift ein solcher vergleich nicht.

anno tobak war das leben nicht besser oder schlechter als heute – damals war halt mehr krüppelsein, dafür ist heute mehr krebs. und die vergangenheit war nicht generell weniger bequem: in der arbeitswelt befreiten emails die kommunikation von der last bedruckter briefe. dafür stieg der druck, alles immer sofort zu beantworten.

 

vielleicht ist es richtiger, statt dessen von veränderungen zu sprechen. zumindest ist es neutral. die werden vom initiator der veränderungen – bleiben wir der einfachheit halber beim daimler – mit positivem behängt, weil kein mensch geld für eine entwickung ausgibt, die nichts verspricht. nur ist der wahrheitsgehalt des versprechens, dass das autonome fahren der zukuft besser sei, nicht höher einzuschätzen, als das des schampooherstellers, der behauptet, sein haarwaschmittel stoppe haarausfall.

 

abseits einer akademischen diskussionen– die zu führen ist selbstverständlich – halte ich einen gutteil der ethischen erörterung aber eh für eine scheindebatte. der daimler will mit seinen systemen einfach nur geld verdienen.

 

um auf der anderen seite uns, die konsumenten der neuen techniken, ins spiel zu bringen: wenn man mit handgeschabten spätzle und selbstgemachter brauner soße aufgewachsen ist, dann will man die auch noch so essen, wenn man 50 ist. weil man da einfach lust drauf hat.

 

wenn ich mich in den von hohen spritpreisen und zielgenauen radarpistolen noch verhältnismässig unbeschwerten achtzigern auf die strassen sozialisiert habe, dann bereitet mir die flockige art der fortbewegung auch in 2014 noch diebische freude.

 

gibt es denn ausser der fussballweltmeisterschaft einen kollektiv wahrgenommenen bereich in unseren leben, der lustbetonter ist als das auto- und motorradfahren? mit grossen spritschluckenden suvs. mit sportwagen, die für nicht mehr platz bieten als für fahrspass. mit motorrädern, auf denen man kaum richtig sitzen kann.

gibt es etwas, was uns mehr freude macht, als unsere kisten auf der linken spur gen horizont zu treten? als die kurven, mit denen wir so gerne unseren gleichgewichtsapparat kitzeln?

 

selbstverständlich gibt es sie auch, die nur von a nach b fahrer, die sich schon dabei so unwohl fühlen, dass sie liebend gerne jemand hätten, der das für sie erledigt.

aber es gibt eben auch die, die dafür auf keinen fall gute gründe wollen.

 

dass sich die dinge ändern werden, ist dabei eh klar. denn alles ist immer in veränderung. dass es auch hier ein für und wider und hin und her gegenläufiger interessen gibt, gehört zur dialektik jeder entwicklung.

 

die zudem sukzessive vonstatten gehen wird. bis sie im paradigmenwechsel mündet. abs, esp, fahrspurassistenten, einparkhilfen machten den anfang. autos, die zunächst nur im stau selbstständig fahren, werden folgen. fahrzeuge werden zunächst nur abschnittweise, an gefahrstellen wie tunneln zum beispiel, car connected gesteuert.

 

so wird der übergang ins vollautonome fahren so schleichend vollzogen, dass ein teil der leute gerade soviel davon spürt, dass es ihnen nicht wirklich weh tut und der andere sich in immer kleiner werdende stückchen fahrerischer freiheit wird retten können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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"riding shouldn't be about electronics, the limit is yours and yours only" (simon crafar)