fahren in kenia

 

als sich vor einigen jahrhunderten die japaner aufmachten zu neuen ufern, landeten sie in china.

und fanden, dass dort vieles anders ist als zuhause. trotz aller unterschiede stellten sie aber auch fest, dass die chinesen in china den selben mond betrachten wie es die japaner in japan tun.

so tief diese einsicht auch in unsere gemeinsame menschliche seele leuchtet und veranschaulicht, wie sehr wir uns doch gleichen, wählen wir nur einen bezug, der etwas höher hängt als die gebrandeten helme über den spiegeln unserer motorräder, ist mir persönlich dieses wolkenumhangene bild am nächtlichen firmament doch eine spur zu romantisch. den selben sachverhalt sehe ich lieber so ausgedrückt: beim scheissen sehen wir alle gleich aus.

 

das tatsächliche leben allerdings, also das, in dem wir scheissen und nicht sinnieren, nimmt auf derlei weisheit wenig rücksicht. so musste ich in tschechien lernen, dass ein scheisshaus nicht abgeschlossen sein muss, wenn jemand drauf sitzt, es genügt, dass die klotüre zugezogen ist.

erst als ich hintereinander zwei davon aufgezogen hatte und beide male entrüstetes tschechisch vernahm, verstand ich, dass nur eine offen stehende ein unbesetztes abort anzeigt.

diesseits aller abstrakten erkenntnis kann unsere zelebrale vorhaut also kognitiv tüchtig gefordert sein, um sich in die verhältnisse eines anderen landes einzupfizzeln.

 

zum beispiel ins fahren in kenia.

dort wird die vorhaut auf den ersten metern kräftig massiert.

 

dass man links fährt, ist dabei das geringste. jeder, der es schon einmal getan hat, weiss das, die anderen mögen es einfach glauben: man gewöhnt sich daran so schnell wie an das gestiegene gehalt. als ich nach ein paar tagen abends in einer bar auf einem wahrscheinlich amerikanischen video ein auto rechts fahren sah, kam mir das bereits ganz unnatürlich vor.

merkwürdig finde ich allerdings, dass auch bei linksverkehr die rechts-vor-links regel gilt; das hätte ich nicht erwartet. für kenia ist das theoretische

wer?-wann?-wo?-zuerst aber belanglos, dort gilt: je grösser desto mehr vorfahrt, regel eins und regel nummer zwei, wer sich rein drückt, dem macht man halt platz. aufregen tut sich darüber keiner; überhaupt regt sich nie jemand über niemanden auf, das ist das kenianische axiom im strassenverkehr; was sehr entspannend ist für die deutsche fahrer-seele.

 

über das fahren in kenia habe ich ja schon einmal geschrieben; es gilt noch, was ich damals sagte. weil ich aber wieder dort war und diesmal knapp 3.000 km drin rumfuhr, schreibe ich noch mal was drüber.

 

nairobi.

kenias hauptstadt. rund 3,5 millionen einwohner. als ich das erste mal da war, acht jahre ist das nun her, gab es ein paar wenige ampeln in der stadt. die meisten davon gingen nicht, der rest funzelte windschief schaukelnd vor sich hin. heute gibt es davon etliche mehr. die akkurat befestigt sind.

meist befinden sie sich an einem der zahlreichen kreisverkehre.

zeigen sie rot und steht ein polizist daneben, hält man an. steht kein polizist daneben, hält man auch an - wenn eine videokamera an der ampel installiert ist. ist weder eine videokamera noch ein polizist da, würde man durchfahren - stünde man nicht im stau. denn abgesehen von ein paar abend- und nachtstunden ist in nairobi eigentlich immer stau. in der innenstadt quetschen sich unablässig menschen hastig zwischen den fahrzeugkolonnen über die strasse. auf den strassen in die wohnbezirke, die estates, laufen verkäufer mit schuhen, taschenlampen, uhren, landkarten und was-weiss-ich durch die reihen der stehenden autos.

 

völlig chaotisch sei der verkehr in kenia, vor allem in nairobi. das höre ich meist, wenn ich mit deutschen, die schon einmal dort waren, darüber rede.

meine gesprächspartner sind dann aber auch nicht selbst gefahren, sondern hatten durch die seitenscheibe eines matatus, eines kleinbusses, einen nur unzureichend eingeschränkten blick auf das geschehen. fährt man hingegen selbst, erfasst man die abläufe in gänze; und merkt schnell, dass beileibe kein chaos herrscht - wie auch, in einem solchen käme ja kaum jemand an sein ziel - sondern durchaus eine ordnung ist. die zwei wichtigsten regeln, die das geschehen organisieren, habe ich ja schon genannt. es gibt eine handvoll mehr davon (fahrzeuge im kreisverkehr haben zum beispiel vorfahrt; trotzdem gelten natürlich die regeln 1 und 2). das meiste ergibt sich aber einfach in der entsprechenden situation. als fahrer reagiert man auf fahrzeuge statt auf schilder oder fahrbahnmarkierungen, von denen es eh nicht viele gibt. um zu veranschaulichen, was ich meine, stelle man sich eine gut gefüllte fussgängerzone in einer deutschen grossstadt vor. kein schild, keine gehwegsmarkierung regelt den gang der menschen, statt dessen reagieren die leute aufeinander. in kenia gilt das auch, wenn man in einem auto sitzt oder mit einem motorrad fährt.

 

das klappt auch dann, wenn man nicht in kriechgeschwindigkeit fährt.

nach norden, nach naivasha und nach süden, nach mombasa, gibt es grosse, mehrspurige ausfall-strassen, auf denen man, so man das glück hat, sie um die richtige uhrzeit zu befahren, durchaus auch mal mit 80, 100 unterwegs sein kann. wer langsam fährt, macht das tendenziell links; das ist jedoch keine regel, sondern nur eine art streben, eine dem linksverkehr geschuldete disposition. ansonsten fährt man irgendwo in der mitte oder rechts. ist man schneller, überholt man auch irgendwo in der mitte oder rechts. oder halt links. man sucht sich eine freie spur, wechselt auf eine andere, wenn die einem das besseres fortkommen verspricht. das macht man ohne zu blinken. nur ganz selten mal, wenn man zum beispiel von der strasse abbiegen möchte, kann es sein, dass man darauf mit dem setzen des blinkers extra aufmerksam macht. und was darf ich sagen: es funktioniert. funktioniert wunderbar, ganz entspannt; denn selbstverständlich gilt auch hier: keiner regt sich über irgendwas oder irgendwen auf, alle fahren einfach.

 

pottholes.

auf deutsch schlaglöcher. allzu deutsch sollte man sich die aber nicht vorstellen, unsere vertiefungen haben mit dem, was kenias strassen aufweisen, nichts zu tun. kann man auf den grossen überlandstrassen durchaus dutzende kilometer ganz befreit davon fahren, sind auf den asphaltierten nebenstrecken meist nur die frisch geteerten abschnitte frei davon. die löcher sind oft ernst zu nehmend gross, wer reinfällt, riskiert eine reifenpanne. auf manchen strecken ist es eine sportliche herausforderung, sie möglichst geschickt zu umfahren; einzelne gehen immer, interessant wird es, wenn die ganze strasse davon übersät ist. und manchmal auch übel lästig, wenn nämlich kein weg mehr drum herumführt und man nur noch in schrittgeschwindigkeit seinem ziel entgegen holpert.

schlaglöcher ganz eigener kenianischer art, quasi in die andere richtung, sind die sogenannten bumps. das sind auf den fahrbahnen aufgebrachte wellen, die einen zum abbremsen und - so man mit einem vollbeladen und deshalb tief liegenden pkw und nicht mit einem suv oder geländewagen unterwegs ist - zum sehr langsamen und schrägen überfahren zwingen. die gibt es überall, in den ortschaften eh, manchmal alle paar meter, aber auch ausserhalb. stellenweise sind sie von der örtlichen bevölkerung aufgeschüttet. einen hinweis auf die dinger gibt es selten; tagsüber erkennt man sie rechtzeitig, nachts kann das aber schwierig sein, vor allem, wenn es regnet.

 

überhaupt: nachts. dann kann, was gerade noch spass machte, übel anstrengend werden; schlaglöcher sind im licht des gegenverkehrs nicht mehr auszumachen – viele fahrer blenden nicht ab – und die aussicht, im dunkeln auf irgendeinem mistigen untergrund neben der strasse einen reifen zu wechseln, ist widerlich. zudem lässt sich schwer einschätzen, ob einem der gegenverkehr auf seiner spur oder der eigenen entgegenkommt. schon tagsüber muss man öfter mal bis zum stillstand abbremsen oder auch mal runter von der fahrbahn, wenn ein überholender lkw vor einem auftaucht.

regnet es zudem, ist die fahrbahn kaum noch von der umgebung zu unterscheiden, mit weit in die finsternis gebeugtem oberkörper stochert man mit 40 ins dunkel.

rough roads

die ungeteerten strassen. sind mir die liebsten.weil es einfach spass macht, eine meterhohe staubfahne hinter sich herzuziehen.

es gibt die guten – die sanftesten sind von schöner roter erde, auf denen lassen sich 80, 90, 100 locker fahren - und die ganz mistigen: in den von starken regenfällen ausgewaschenen pisten stecken fiese, spitze felsbrocken - früher oder später erwischt man so ein verdammtes ding, das den reifen gnadenlos aufschlitzt.

an manchen passagen sind die aus dem boden ragenden felsstücke so gross, dass man den wagen nur ganz langsam auf der bremse darüber hinweg balanciert - ich bin über abschnitte gefahren, von denen ich bis dahin angenommen hätte, dass sie nur von echten geländewagen befahren werden können.

den braucht es aber, wenn es anhaltend nass ist. denn aus dem, was gerade noch ein anspruchsvolles spiel war, wird nach zwei, drei regentagen tiefer ernst; und nur noch grosse räder, viel bodenfreiheit und ein wuchtiges drehmoment helfen dann aus der aufgeweichten matsche.

dreimal bin ich stecken geblieben. woran nicht die umstände schuld waren, sondern ich. als deutscher autofahrer, der sonst nur über bestens präparierten strecken rollt, muss man zur kenntnis nehmen, dass das fahren auf den dortigen gegebenheiten gelernt sein will. was nicht von heute auf morgen geht und nicht ohne lehrgeld zu zahlen. 

 

toyota mark II

baujahr 1998, zwei liter, 6-zylinder benziner, eine feststellbremse wie ein mercedes. in seinen abmessungen und der anzahl der knöpfe im cockpit entspricht er auch sonst einer alten e-klasse.

optisch ist er aber doch eher ein grosser corolla. von denen es in kenia eine menge gibt. fast alle sind weiss.

der mark II war ein angenehm komfortabler reisepartner – dass er mit einem von mir eigentlich ungeliebten schaltautomaten ausgestattet war, hat nicht weiter gestört, obwohl ein handgeschaltetes getriebe den kleinen 6- zylinder schneller auf die

für´s gute vorankommen nötigen drehzahlen gebracht hätte.

kurvenbolzen war mit den von ostafrikanischen schlaglochpisten weichgeklopften stossdämpfern eh nicht machbar. der mark II hat heckantrieb und eine gefühllose lenkung; den meist mit 5 personen und reichlich gepäck voll beladenen wagen hätte ich, im falle dass er ausbricht, nicht mehr abgefangen.

 

 

das grosse überholspiel.

zu anfang dachte ich, es läge an meinem frischen weissen teint oder vielleicht am ugandischen kennzeichen meines wagens; ich habe mir aber sagen lassen, dass das spiel ein allgemeines ist, das von vielen gerne gespielt wird. es braucht nur eine beliebige strasse ausserorts und einen gegenspieler, am besten in einem grossen suv, der vor einem darauf wartet, den lkw, den er vor sich hat, überholen zu können. überholt man nun beide, den suv und den lkw, mit schwung von hinten kommend oder, weil man schneller auf die sich bietende möglichkeit reagiert, wird der fahrer des suv anschliessend alles daran setzen, zu zeigen, dass er das überholen besser beherrscht: schneller, effizienter, lässiger. je nach naturell wird er dabei vielleicht auch möglichkeiten nutzen, die gar keine sind. das kann viele kilometer lang so gehen, mit immer wieder wechselnder führung.

ich habe mich daran gehalten, nur da zu überholen, wo das auch gefahrlos machbar war; sofern ich das spiel trotzdem gewann, habe ich meinen hellhäutigen ellenbogen aus dem offenen fahrerfenster gehängt, zum stolz der weissen rasse. übrigens spielen auch lkws das grosse überholspiel; die verlierer liegen dann manchmal auf die seite gekippt oder ausgebrannt neben der strasse.

 

verkehrsbullizisten.

sind dort genauso beliebt wie hier. trotzdem sind sie meist gut gelaunt; sie verdienen gut.

natürlich gibt es auch den muffig unrasiert durchs fenster rülpsenden: “ich denke, du hast einen fehler gemacht“. mit dem verhandelt man rasch und freudlos über die höhe der strafe.

eher aber wird man mit den kenianischen bullizisten scherzen, erbarmungswürdige ausflüchte für sein fehlverhalten suchen, verschmitzt gute und allerbeste gründe dafür hervorbringen. und je schallender man sie lachen macht, desto geringer wird der obulus ausfallen, den es zu entrichten gilt. am ende zahlt aber man auf jeden fall, halt weniger als zu anfang. und natürlich zahlt man nicht ins behördensäckel, sondern direkt in den bullizistenhosensack.

 

 

es gibt etliche gute autos, die man in kenia fahren kann; 5-sitzig müssen sie sein, weil man immer leute mit nimmt, ein grosser kofferraum gehört dann zwangsläufig dazu. ein toyota landcruiser ist wegen der komfortablen nonchalance, mit der sich mit ihm über alle unwegbarkeiten hinweggleiten lässt, ein häufig zu sehender wagen; die mitfahrt habe ich sehr genossen.

der geilste mehrpersonentransporter ist aber nach wie vor ein subaru wrx; wenn ich das nächste mal dort bin, würde ich meine sippschaft gern damit durchs land karren.   

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Kommentare: 6
  • #1

    Ingo #57 (Samstag, 10 Mai 2014 22:23)

    Aus deutscher Sicht nennt man das Guerilla-Fahrweise! ?
    Ich glaube, was dals Straße oder Piste durch geht ist schlimmer als bei uns hier mancher Feldweg.
    Danke für den Bericht.
    #57

  • #2

    Dovie Hansel (Samstag, 04 Februar 2017 14:02)


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