händlerhopping

wenn ich in beinahe jedem meiner blogeinträge einen verweis auf früher mache, dann ist das so bezeichnend - offensichtlich ist der raum hinter mir bereits verdammt viel grösser als der vor mir – wie es entlarvend – man sieht mich regelrecht vor sich, mit schütterem haupthaar in arthritischer schonhaltung dünn lächelnd auf meinem sportler hocken – wie es sympthomatisch ist: dafür, dass früher, als der willige geist noch von frischem fleisch umwachsen war, alles, was irgendwie mit sex, drugs und rock´n roll zu tun hat, also auch das motorradfahren, so ungleich viel besser kam als heute.

 

weil das sympthomatisch ist, ist es unvermeidlich.

wie hier beim händlerhopping.

das nämlich war früher noch mit dem motorrad statt mit dem auto.

 

trotz dem es meist geschneit hat.

wie damals, als es noch einen harleyhändler da draussen am stadtrand gab, ein stück die autobahn runter. zu dem fuhren wir, weil ein harleyhändler zu der zeit auch noch ein buellhändler war. als wir den „store“ betraten, im hintergrund die unvermeidlich stilecht gebrandeten jungs am tresen, kam uns ein grauhaariger zausel freudestrahlend entgegen: „wunderbar, endlich welche mit dem motorrad!“ ich fand den zausel auch wunderbar; der sah nicht wie andere harleyhändler nach mc ichschlagdichtot aus, sondern nach love, peace, woodstock. auf dem parkplatz stand sein mit übergrossen harleylettern beklebter 2cv.

 

mein ellenlangbeiniger kumpel nahm sich zur probefahrt eine skurille ulysses in gelb und ich mir eine schöne firebolt in rot.

 

was ist das überhaupt – händlerhopping? nie gehört? das ist: von einem motorradhändler zum nächsten, alle an einem tag, bevorzugt anlässlich besonderer händlertage. weil es da dann schnittchen, kaffee und gutaufgelegte junge damen für mau gibt; motorräder gucken, probesitzen, mit den händlern / verkäufern plaudern, bekannte treffen. maulaffen feilhalten.

 

heute habe ich, ohne hoffnung, dass in den verkaufsräumen etwas neues steht, was in mir auch nur ansatzweise ein „habenwollen“ weckt, beim händlerhopping noch nicht mal meinen helm dabei.

fickende fliegen machen mich nun mal nicht an.

 

eine benelli tnt schon. die gibt es noch. neu. mit ohne abs und mit ohne traktionskontrolle. sie sieht aus wie sie aussah, als sie vor knapp 10 jahren auf den markt kam – endgeil abgetickt. selbst ein talentierter designer wäre ratlos, würde von ihm erwartet, ihr ein facelift zu verpassen. warum auch, möchte man fragen, wo doch das design bis heute trägt. weil, ist zu antworten, das immer neue das credo der eiligen kapitalistischen wirtschaft ist. und damit das immer neue nicht als ausschliessliche und so womöglich fragwürdige veränderung in den markt kommt, die nichts mehr ist, als ein bisschen anders als das gewesene, wird es mit der attitüde des besseren (v)erklärt; das macht die werbung, das machen die motorradheftchen. und wir, du und ich, kennen unsere lektion gut: wenn schon kein neues besseres leben drin ist und nicht mal eine neue bessere frau (ein besserer mann wahlweise) dann doch wenigstens ein neuer besserer fernseher und ein neues besseres motorrad.

 

apropos, warum ist eigentlich keine 4zylinder-benelli  da? ha! weil ich offenbar der erste bin, der überhaupt danach fragt. abgesehen davon, dass uns die motorradfahrende fachwelt seit ein paar jahren erklärt, dass die dreizylindrigkeit das bessere motorenkonzept ist, ist eine benelli, die so harmlos ausschaut wie ein kawasaki er6 und höchstens als neue honda einen interessierten blick zugeworfen bekäme, gar keine benelli, sondern eine echte qianjiang.

 

moto morinis fahrhilfenfreie corsaro kann man auch noch neu kaufen. aber nur online. schade, dass man sie sich nicht konsequenterweise auch gleich mit dem 3d-drucker ausdrucken kann.

 

eine mv agusta f3 ist eine fickende fliege. sieht aber trotzdem verflucht gut aus. eine schlankere taille hat keine.

die rivale hingegen finde ich schlimm; in meinen augen ist sie ein affektiertes, einer mv agusta unwürdig verkrampft gezeichnetes mangamoped.

 

weiter geht es. zu lobobikes und damit zu victory. abgesehen von der grossspurigen vision bin ich von dem, was ich sehe, entäuscht; die motorräder wirken auf mich – im vergleich zu harleys, wem sonst sollte ich sie auch vergleichen? – ziemlich profan.

ganz anders dagegen die beiden indian, die im verkaufsraum stehen. so eine chief ist tatsächlich der chef; alles an ihr ist aus metall, wahrscheinlich wiegt alleine der vorbau mit der wuchtigen lampenmaske weit über 100 kg. wäre ich nicht so ein mickriger pimpf, der auf diesem monstrum lächerlich deplaziert aussehen würde, könnten mich ein paar lässige tage mit diesem klumpen schwermetall schon reizen. ob man die überhaupt fahren darf, ohne in seinem früheren leben nordamerikanischer holzfäller gewesen zu sein?

 

für´s händlerhopping ist die berliner stadtlandschaft ideal, die händlerdichte hoch. ausserdem gibt es hier händler, die es sonst nicht gibt. einen horexhändler zum beispiel. der ist zwar nebenher auch noch yamaha- und suzukihändler, was uns heute aber egal ist, denn nur wegen horex sind wir da. den 6zylinder wollen wir mal real sehen.

dabei, das lernen wir vor ort, ist ein horexhändler gar kein horexhändler, sondern ein horexvermittler. der käufer macht nicht mit dem händler den kaufvertrag, sondern mit dem werk, der händler begleitet ihn quasi auf dem weg dortin. und ist, hier scheint alles wieder ganz normal, danach die betreuende werkstatt.

 

der 6zylinder baut breit: mag sein, dass er dank der leichten v-stellung der zylinder schmaler ist als ein quer eingebauter reihensechser, ein dicker brummer im cbx - format ist die horex vr6 aber doch; beim sitzen werden die beine weit aufgegrätscht, schwer lastet der motor beim hin und her tarieren.

 

sie gefällt mir nicht. ihr heck mit dem weit nach hinten gezogenen kotflügel hängt genauso uninspiriert in der luft wie das der ducati gt. die ganze erscheinung wirkt bieder. zumindest in der classic variante, wie ich sie gesehen habe, erinnert sie mich an helmut kohl in joppe am wolfgangsee.

 

aber vielleicht ist es genau diese angestaubte optik in kombination mit dem altehrwürdigen emblem, die der horex ihre ganz eigenen käufer verschafft – keine motorradfahrer wie du und ich, sondern situierte herrschaften, die vielleicht dereinst als studierende jünglinge aus vermögendem haus, ein günstiges motorrad für den kleinen mann war eine horex nie, eine horex regina fuhren und heute als reminiszenz an diese vergangenen tage wieder eine horex besitzen möchten: vielleicht gar nicht zum fahren, zum hinstellen nur, womöglich in eine sammlung mit der spekulation, auch das ist denkbar, dass dieser vr6 ein ganz kurzes intermezzo in der neueren motorradgeschichte ist und sie in derart glitzekleinen stückzahlen gebaut werden wird, dass mit ihrem steigenden wert auf dauer durchaus zu kalkulieren ist.

 

da wir nun aber schon mal da sind, schauen wir uns halt doch noch yamahas mt09 an. ja. das haben wir gemacht.

die mt 07 habe ich im verkaufsraum ebenfalls erwartet. die kommt aber erst nächstes jahr. zuerst, im februar, eine version ohne abs! sagt der yamaha-mann. das kann doch wohl nicht wahr sein? es wäre unfassbar: yamaha bringt ein neues motorrad abs-los nach deutschland? für wen machen sie das? etwa für mich?

später, ich habe gerade vergessen wann, soll die abs-version folgen.

und wo ich gerade dabei bin, die links zum text rauszusuchen, finde ich auf der yamaha – seite, dass auch die mt09 abs-frei gekauft werden kann. und auch noch die schöne fz1. ich bin ergriffen: ein kleines stück meiner guten alten jungen zeit existiert mir noch. 

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Kommentare: 2
  • #1

    britzerjunge (Donnerstag, 19 Dezember 2013 15:58)

    Ha! Gerade erst entdeckt.
    Sehr schön beschrieben, mein Freund! Insbesondere auch der Rückblick "in die gute alte Zeit". Februar 2006 war das, als wir im Schneegestöber zum Harley-/Entenmann aufbrachen. Verdammt lang her...
    Was mir fehlt an Deinem Bericht sind Aussagen zu Schnittchen/Kaffee/Mädels ... gab es das denn aktuell?

    Beste Grüße
    Dein ellenlangbeiniger Kumpel :-)

  • #2

    jensinberlin (Donnerstag, 19 Dezember 2013 23:10)

    war diesmal eher eine art interimhändlerhopsen.
    gab`s deshalb nur für marina. bei http://www.dsb-berlin.de/, der ehemaligen berliner ducatiapotheke. die machten nikolausi. holle war da aber schon schrauben und ich "auf der rolle"

"riding shouldn't be about electronics, the limit is yours and yours only" (simon crafar)