träumst du schon oder lebst du noch?

träumst du schon oder lebst du noch?

fahrhilfenfreier geht es nicht.

 

ich tagträume. auf dem motorrad. auf einer talstrasse in der autokolonne, wartend auf den abzweig zur nächsten kurvenstrecke. da träume ich mich mal kurz weg, woanders hin, wo es sich gerade besser anfühlt.

 

eigentlich träume ich den ganzen tag. schon morgens beim kaffee trinken, beim zähneputzen, nachher an der bushaltestelle oder auf dem fahrrad, ich träume während der arbeit, ganz kurz mal hinein in eine gedankenpause.

 

einen meiner lieblingträume habe ich in der badewanne. ich habe ihn mit einer mv agusta f4s. es ist eine rotsilberne der ersten serie, die mit dem 750ziger motor. sie ist ein starkes tier unter mir. röchelt durch die kurven, kreischt heisser auf die geraden. ich spüre ihr straffes, transparentes chassis; fahre sie so butterweich wie ein scharfes messer schneidet; ich weiss wie sich fährt, obwohl ich sie noch nie ausserhalb meiner wanne gefahren bin.

 

ich träume nicht davon, ein motogp - fahrer zu sein. das wäre viel zu weit entfernt von meiner lebenswirklichkeit. nur ganz knapp über der oberfläche der realität schrabben meine tagträume entlang. eine f4 könnte ich mir leisten, ein paar stellgrössen in meinem leben müsste ich zwar ändern, dann aber könnte ich mir durchaus eine schöne gebrauchte in die garage stellen.

 

als ich noch ganz jung war, waren meine vorstellungen ein bisschen exaltierter – als 14, 15 jähriger träumte ich davon, eine ac shelby cobra zu besitzen. dass die träume damals noch etwas grösser ausfielen, lag jedoch nur daran, dass mir zwar schon bewusst war, dass ich ein ganz kleines licht bin, nicht aber, dass ich das auch in zukunft immer bleiben werde. ich stelle fest, dass sich meine tagträume meinen tatsächlichen lebensumständen angenähert haben.

 

irgendwann habe ich verstanden, meine tagträume als lebensoption aufzufassen. sie wert zu schätzen. ich nutze sie, um mit ihnen dinge zu tun, die sonst nicht ohne weiteres möglich wären. ohne umstände, ohne dass es konsequenzen für mein leben hat.

 

als biologistisch denkender mensch gehe ich davon aus, dass meine imagination genauso verstoffwechselt wird wie alles, was mir widerfährt. vielleicht ist die mischung eine andere - weniger adrenalin mit der f4 in der badewanne als mit der mille auf der hausstrecke - aber ausreichend endorphine für einige wohlig verbrachte minuten sind doch dabei.

http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/10/31/dlf_20131031_2041_33022ef8.mp3

 

 

 

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Kommentare: 4
  • #1

    #57 (Donnerstag, 14 November 2013 10:32)

    Du bekommst jetzt also `ne F4? :-)

  • #2

    jensinberlin (Donnerstag, 14 November 2013 10:40)

    ich hab`schon eine.

  • #3

    #57 (Donnerstag, 14 November 2013 13:10)

    Ach was? Erzähl uns mehr!

  • #4

    jensinberlin (Donnerstag, 14 November 2013 14:56)

    wenn du weiblich, blutjung, gertenschlank und miniberockt bist, kann ich dich locker mal mitnehmen, so zwischendurch...

"riding shouldn't be about electronics, the limit is yours and yours only" (simon crafar)