be my wife. der bangle und ich.

unten dann, an der kreuzung: „was stinkt denn hier so?“ "das sind die reifen. vielleicht auch ein bisschen die bremsen." beim blick in den rechten aussenspiegel sehe ich russgeschwärzte hitzeschwaden aus dem hinteren radkasten aufsteigen,

 

be my wife.

der bangle und ich.

 

be my wife. so nennen sie die bmw´s in kenia. von denen es dort, im toyotacountry, aber nicht allzu viele gibt.

ich nenn` ihn bangle. als reminiszenz an den mann, der für seine linie verantwortlich zeichnet.

 

er ist milde motorisiert. langsam ist er trotzdem nicht. der gemächlich dahin zuckelnde verkehr auf den bergstrassen lässt sich meist zügig überholen; zumal viele der fahrzeuge mich bereitwillig vorbeilassen, kurz das gas raus nehmen oder auch mal rechts ran fahren; der verbleibende rest muss allerdings etwas aufwändiger überholt werden; indes kostbaren kurven vergehen wie der regen in der wüste.

für drehmomentstarke turbodiesel braucht es bergauf eine eigene strategie; während nämlich der fahrer des turbodiesels seinen wagen in schrittgeschwindigkeit ungelenk um die kurve hievt, fällt die drehzahl des bangels derart in den keller, dass auch der erste gang da nicht mehr schnell genug raushilft, um auf dem folgenden gegenverkehr freien, übersichtlichen abschnitt an dem diesel vorbeizukommen.

helfen tut: abstand zu halten vor der kurve; die lässt sich nun in freiem schwung nehmen; und so kommt der bangle bereits mit einer brauchbaren motorleistung auf die gerade; jetzt bringt es dem turbodieselfahrer auch nichts mehr, hämisch sein gaspedal durchzutreten.

 

übrigens verstehe ich nicht, warum mancher, auto- wie motorradfahrer, alles an lächerlichem fahrkönnen daran gibt, einen hinter sich zu halten. ich jedenfalls lasse jeden gerne, ganz nach plaisier, teuren sprit und wertvolles reifenprofil sparen, murmeltiere beobachten oder den steinen beim wachsen zusehen; unsere welten blieben so schön ungestört, liesse man mich einfach passieren.

damit keine missverständnisse entstehen: ich bin keiner, der auf der autobahn drängelnd auf der linken spur hängt, ich fahre defensiv rechts, lasse anderen den vorrang und jeden vorbei, der schneller ist; ich bestehe nicht auf irgendeinen anspruch qua stvo, sondern entscheide zugunsten eines freien verkehrsflusses und eines sozialen miteinanders.

 

gutmütig ist der bangle. das ist gut für mich wie für jeden, der nicht mit den blitzschnellen reflexen eines echten könners gesegnet ist.

auf trockener strasse liegt er satt, bei starkem lenkeinschlag schiebt er untersteuernd über die vorderräder; dreht ansonsten leicht mit dem heck in die kurve ein. bei lastwechseln zwischen zwei gegenläufigen kurven kann das auch mal leicht werden. was gut kontrollierbar ist; selbst wenn in einer solchen situation das gas gelupft wird, bleibt zeit zum gegenlenken.

ein bisschen schwieriger einzuschätzen ist das verhalten vorne / hinten bei nässe. entweder rutscht er auf den blankgewetzten serpentinenkurven am kurveneingang über die vorderräder oder er geht am kurvenausgang mit dem heck weg. hier suche ich noch nach der richtigen fahrtechnik, um das fahrverhalten vorhersehbar zu machen.

 

die lenkung ist direkt, präzise, hat nichts labbriges, kein unnötiges spiel um die mittellage; schnelle lenkbewegungen bedeuten schnelle lenkreaktionen.

 

doofe fahrhilfen. die hat der bangle auch. ich bedaure das. ändern kann es nicht im rahmen meiner möglichkeiten. im einzelnen: er hat einen knopf, auf dem asc steht; ich habe mir angewöhnt, sofort nach dem anlassen des motors da drauf zu drücken, um es auszuschalten. seiner funktion nach ist das asc eine traktionskontrolle, die das gas wegnimmt. das macht es selbst bei geringen ansätzen zur querbewegung des hecks; kurven lassen sich mit eingeschaltetem asc eigentlich nur geradeaus durchfahren.

und er hat ein abs. das ist nicht abschaltbar; einen knopf im innenraum zum drauf drücken gibt es nicht. die regelintervalle des abs sind o.k. nach meinem empfinden spricht es jedoch zu früh an, vor allem auf nasser fahrbahn.

die bremsen selbst sind gut, sie bringen einen den berg runter, ohne dass das bremspedal anfängt durchzufallen.

 

der bangle ist ein allerweltsauto, steht an jeder ecke. trotzdem ist er schön. er ist die krönung der klassischen bmw-linie. ich fahre ihn als coupè. in dieser bauform ist er ein grand tourismo, ein gt par excellence. ich sehe ihn mir täglich an. obwohl ich ihn nicht täglich fahre, dient mir doch als eine art sonntagsauto, nur so zum reinen vergnügen. es gibt keine kante, keine sicke, kein fitzelchen detail, was ich auch nur ansatzweise anders denken möchte. das gilt auch für den innenraum.

 

und trotz seiner vollendeten form ist er praktisch: er hat geteilt umklappbare rücksitzlehnen. so kann ich in ihm problemlos mein fahrrad transportieren. weil verzurrösen vorhanden sind, muss ich mich dabei noch nicht mal zurückhalten.

 

und wenn auf einer dunklen landstrasse – kalt peitscht der regen im sturm – eine lampe des frontscheinwerfers ausfiele, könnte ich mir lange rote fingernägel wachsen lassen, um eine neue einzusetzen, so einfach geht das. beim tanken kann ich gedankenverloren den tankdeckel vergessen, er sitzt trotzdem noch an seiner schnur an der eigens dafür vorgesehenen halterung.

mit liebe haben die bmws den bangle gemacht.

 

auch wenn sie beim fahrwerk geschludert haben. die tragegelenke der querlenker sind qualtitiv nicht besonders haltbar. immerhin gibt es guten ersatz auf dem zubehörmarkt. weil der bangle aber noch kaum km in seinem fahrwerk hat, gibt es hier noch keinen handlungsbedarf.

den habe ich bei der hinterachse gesehen. die nämlich kann bei den baujahren der ersten serie - zu denen der bangle gehört - an ihrer aufnahme am bodenblech ausreissen. um das auch bei erhöhter belastungen ganz sicher zu verhindern, liess ich sie gleich nach dem kauf mit metallschaum ausschäumen; eine maßnahme, wie sie von bmw etliche jahre lang auf kulanz gemacht wurde.

 

vor einigen tagen habe ich einem guten kumpel eine tourenempfehlung für den nordschwarzwald aus meinen mo-beständen heraus gesucht. ich fand sie (ausgabe august 2003); bei derlei suchen macht man auch immer ein paar kolateralfunde: hier war es ein kommentar vom damals noch streetsurfenden riegsinger, in dem er das autofahren mit dem motorradfahren verglich; und klar, zugunsten des motorradfahrens (und der mo – leserschaft), weil es die sinnlichere erlebnis sei. alleine schon das eigengewicht des motorrads beim rausschieben aus der garage zu spüren, sei eine erfahrung, die einem autofahrer abgehe. und ja, olle riegsinger hat recht. ich kenne dieses gefühl, der konjunktiv kann weg!

den bangle schiebe ich nicht aus der garage. aber wenn ich seinen samtigen 6zylinder starte und ihn aus der garage rolle, spüre ich ihn mit jeder synapse meines körpers. und treibe ich ihn über die von mir bevorzugten kleinen nebensträsschen, versetzt mich das in die selbe erregte spannung, wie ich sie auch mit einem guten motorrad empfinde: mit jedem meter pulst er mir fein ziseliertes leben in die fasern meines körpers.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    jensinberlin (Donnerstag, 19 September 2013 10:04)

    muss mich mal selbst kommentieren: es könnte sein, dass es falsch ist, chris bangle das design des e46 zuzuschreiben, obwohl verschiedene quellen das tun.
    aus dem e46-forum.de habe ich den hinweis, dass erik goplen den e46 entworfen habe http://www.bmwblog.com/2010/05/21/erik-goplen-e46-3-series-designer-draws-the-new-f25-bmw-x3/

    vielleicht ist das richtig! zumindest war chris bangle während der entstehungszeit des e46 (und darüber hinaus) bmws chefdesigner. in dem zusammenhang stellt sich mir die frage, inwieweit es überhaupt gerechtfertigt ist, das design eines solchen autos orginär einer person zuzuschreiben oder ob es nicht im wesentlichen die leistung eines gesamten designteams ist.

  • #2

    #57 (Freitag, 20 September 2013 17:20)

    Um was für eine Mühle handelt es sich denn?

"riding shouldn't be about electronics, the limit is yours and yours only" (simon crafar)