short people. stelvio und ich.

short people. stelvio und ich.

 

schon damals war das nix. mit mir und dem passo dello stelvio, dem stilfser joch.

damals befuhr ich den pass von der nordostseite. das ist die mit den steilen rampen, mit denen du dich entweder ganz hoch in den himmel katapultierst oder ganz tief zu boden gehst. im augenwinkel sah ich die am strassenrand verteilten fussrasten und handhebel, die scherben der blinkergläser. und es hätte nichts weiter bedurft, als einmal gegenverkehr in einer dieser schmalen, irrsinnig steilen kurven und ich hätte die teile meines motorrads dazu gelegt. es war neblig, nass, kalt. ich war mit einer moto guzzi 1100i sport unterwegs, die ständig ausging.

mit schleifender kupplung und viel gas habe ich sie um die fiesen ecken gezwungen. anhalten, an einer dieser rampen, ohne umzufallen, hätte ich nicht gekonnt. denn ich bin recht klein, geschwindelte 1,78, vor allem aber bin ich kurzbeinig. so erreiche ich bei vielen motorrädern im stand gerade noch mit den fußballen den boden. auch bei der sporti. mit der ich öfters mal irgendwo mit vierwochengepäck umgekippt bin.

auf dem passo dello stelvio aber war mir letztlich das glück gewogen; bei dem miesen wetter war ausser mir kaum jemand unterwegs und niemand kam mir in die quere.

so habe ich den stelvio überstanden.

 

wie auch die stelvio von moto guzzi.

für die ich ganz erheblich zu kurz bin. ich fuhr sie neulich. mit dem in der höhe verstellbaren sitz in der untersten position, aber auch so bekam ich noch nicht mal die fussballen richtig auf den boden, nur mit den zehen konnte ich das motorrad im stand tarieren.

so war nicht mal füsseln drin. zudem musste ich auf losem untergrund losfahren, dann einen hohen bordstein runter auf eine schmale strasse, die einen buckel machte wie eine fauchende katze.

ich hätte also besser wieder absteigen sollen. weil ich das aber nicht getan habe, wurde ich zum peinlichsten objekt, das in der ganzen saison 2013 zu beobachten gewesen sein wird: mit zentimeterweisen bewegungen brachte ich die stelvio auf den fussspitzen in die passende fahrtrichtung – und wartete mit dem losfahren, bis der bordstein und die buckelnde katze ganz sicher in einem schwung unterbrechungslos zu überfahren waren.

 

ich fuhr. unentspannt. denn vor jedem halt, jeder ampel, jeder kreuzung, sah ich mir die fahrbahn ganz genau an, um nicht versehentlich meinen stiefel in irgendeinen haltlosen abgrund zu stellen. und für den fall, dass ich bis zum stillstand hätte runterbremsen müssen, wäre ich beim ausfedern...

...ach, lassen wir das - denn fahren tut sie eigentlich ganz prima: lässig, sehr lässig;

wie auf einem grossen, rassigen gaul fühlt sich der kleine mann auf ihr, hoch aufgereckt die zügel straff mit wehender mähne im locker ausschreitenden galopp. über dem rücken des pferdes liegt der wegzehr der nächsten tage, die frisch erlegte antilope. die blonde.

der motor der stelvio fühlt sich an, wie sich eine zweizylindrige guzzi immer schon anfühlt: kurz und rauh kurbelnd.

 

die stelvio ist beweglich trotz ihrer grösse, handlich dank des gut geformten lenkers, bequem wegen der breiten sitzbank. bestimmt auch auf dem rücksitz.

der 32 liter tank ist eine grosse klasse für sich, das mistige abs für die warmduscher, für die anderen wenigstens abschaltbar und die traktionskontrolle ist so lächerlich wie sandbretter auf einem smart.

abschrauben würde ich das windschild, damit die luft ordentlich und nicht so durchgequirlt auf meinen helm strömt. gewöhnen würde ich mich an die superdirekte, völlig spielfreie gasannahme. kaufen würde ich sie in schimmel.

wenn mir etwas mehr beinfreiheit beschieden wäre. denn dann wäre die stelvio sicherlich ein tagelang wunderbar entspannt und schnell zu reitendes pferd.

 

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