der bittsteller

der bittsteller 

 

silbern schwebt der staub durch den harten strahl der sonne, ein glitzender reigen, eng geschnürt von dem schmalen oberlicht, das auf den sitzenden fällt; seit früh bereits, als der morgen milchig über dem abgestossen grauen weiss des langen flures liegt, wartet er auf dem fahlen holz einer bank, hoffnungvoll noch harrend in den jungen tag, dass eine tür aufgehe in dem gang, angefacht vom windstoss wirbelt nun der staub in irrem tanz, jemand halb heraustrete und seinen namen nenne, die aufforderung mitzukommen in den raum hinter der offen stehen gebliebenen tür; doch ungenannt bleibt er, vom frischen morgen in die dumpfe träge der stunden nach mittag, bis sich das ermattende licht rot über den gang breitet und ein weiterer langer tag des geduldigen seins zu ende geht, ein tag, wie der tag zuvor, wie der vorherige und wie alle tage seit diesem:

dem 30.mai 2012.

 

an diesem tag sandte ich einen antrag auf informationsfreiheit an eine behörde, an das bundesverkehrsministerium, dessen bittsteller ich nun bin.

seit diesem tag warte ich, wie es bittsteller seit jahrhunderttausenden tun, seit es gesetzgebende und verordnende instanzen, vollziehende behörden gibt, darum also auch bewilligungen auf antrag. und so sehr sich die zeiten vorgeblich verändert haben - anders als es in vergangenen tagen der fall gewesen sein mag, ist nun, in den schönen worten der uns verwaltenden, von transparenz und bürgernähe die rede - sind die zeiten der exekutive im harten licht der wahrheit, wie es eng gebündelt durch das schmale oberlicht fällt, doch unterschiedslos ganz die selben wie einst; auch wenn heute, das sei zugestanden, zumindest in dieser vorgesetzten behörde nur mehr imaginiert auf einer fahlen holzbank gewartet wird, in realitas aber bequem zuhause, kommod den posteingang sichtend, ob denn ein brief vom ministerium darunter sei, eine email. nur, in dieser bequemheit liegt auch eine krux, die gefahr leichten vergessens, des abgelenktseins durch ganz alltägliches und nicht so alltägliches: allein, ich lasse mich nicht verführen, bleibe stet, warte. eine antwort aber kommt nicht. weder ein mehr oder weniger automatisiert generiertes „vielen dank, wir werden ihr ansinnen prüfen“, noch eine irgendwie begründete ablehnung; das ministerium sagt nichts, nur nichts.

 

woran es liegt, dass es zu meinen fragen so beharrlich schweigt - bereits am 1.märz 12 habe ich sie zum ersten mal formuliert, am 29.3. ein weiteres mal, sie nur nicht förmlich einen antrag genannt - weiss ich natürlich nicht; dass es die wahl meines mittels ist, der email, welches das ministerium dann doch überfordert, das will ich sicher ausschliessen, bevor ich mir erklärungen und eine weitere vorgehenssweise suche; wenngleich das ministerium den kontakt per email auf seiner seite ausdrücklich anbietet und selbst eine nachricht mit antifah.de als absender nicht im spamfilter landet, sondern sehr wohl gelesen wird, der schriftverkehr in der vergangenheit hat das bestätigt. ich werde also, um hier ganz sicher zu gehen, meinen antrag auf die freiheit der information noch einmal stellen, dieses mal quasi mit brief und siegel; auf einem schneeweissen blatt papier, mit einem schönen briefkopf, unterschrieben mit meinem vielleicht guten namen und dokumentiert als einschreiben per post verschickt.

 

infofreiheit seite 1.pdf
Adobe Acrobat Dokument 776.2 KB
infofreiheit seite 2.pdf
Adobe Acrobat Dokument 143.6 KB

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

"riding shouldn't be about electronics, the limit is yours and yours only" (simon crafar)