dosenfutter

dosenfutter

 

ich bin in den bergen. mit einem plattgedrückten wagen, zweitürig, schwarz. ich habe einen heidenspass.

darum mache ich jetzt einen text über dosen, die gar keine sind, über bangle, der doch schuld ist. einen text nur für mich. für meine besten freunde. und für die, die was vom autofahren verstehen.

 

der schwarze wagen ist ganz neu. und hat, die eu schreibt das bei neufahrzeugen vor, ein nicht abschaltbares esp; nur eine taste, mit dem sich das eingreifen des esp so verändern lässt, dass es das später macht, konkret: bei einer starken bremsung mit gleichzeitigem einlenken. ich habe es nicht zum arbeiten gebracht.

 

ich fahre pässe. es ist unter der woche, noch hat die hauptferienzeit nicht begonnen, die dicht wogende welle der autos, motorräder, wohnmobile, busse und was sich sonst noch auf rädern bewegen lässt, rollt noch nicht über die bergkämme; von den wenigen fahrzeugen, die unterwegs sind, lässt mich die eine hälfte freundlich vorbei, vielen dank! die andere muss mehr oder weniger mühsam überholt werden. undank!, dem rt-fahrer mit dortmunder kennzeichen, der sich vor mir abarbeitet, ich sehe sein angestrengtes gesicht in seinem linken rückspiegel, statt kurz das gas rauszunehmen und uns beiden die freiheit zu schenken; auf den kurzen geraden bergaufstücken zwischen den kehren und kurven reicht die kraft des wagens nicht, um ihn auszubeschleunigen. so halte ich irgendwann entnervt an; bergab laufe ich dann wieder auf ihn auf, noch in der baumfreiem und übersichtlichen zone; hier ist das vorbeikommen kein problem.

dabei war ich, das muss betont werden, nicht schnell, denn das bin ich lange nicht mehr, bin ich doch seit mehr als zwanzig jahren berliner und als solcher kann ich vielleicht mal einen spurwechsel im grossstadtverkehr, auf keinen fall aber auf engen, kleinen, kurvigen strassen schnell sein, ob nun mit einem auto oder mit dem motorrad - die anderen fahrzeuge waren einfach langsam, teilweise abstrus: an einigen hätte man auch vorbeilaufen können.

 

einige tage später, beim autohändler: „was kostet er denn, der plattgedrückte? und wie ist das nun mit dem esp, im winter oder so man doch mal schnell sein können will, auf einem rundkurs vielleicht?“ und da nehme ich dann, mit der antwort, die ich bekomme, dass es sich hier sehr wohl bemerkbar macht, innerlich wieder ein gutes stück abstand von dem plattgedrückten; trotz des minimal mitgehenden hecks, der erstaunlichen traktion auf der vorderachse mit wenig einfluss auf die lenkung; so lässt es sich mit schmackes durch serpentinen oder durch halbwegs offene kreisverkehre schlonzen. einzig in ganz schnellen kurven irritiert mich ein merkwürdiges abknicken um die hinterachse so nachhaltig, dass ich mich nicht traue, auszuprobieren, was danach weiter passieren wird.

 

in motorradfahrerkreisen ist es üblich, pkws nicht nur wegen ihres blechmantels abschätzig als dosen zu bezeichnen; für viele autos mit kackstuhlfahrfähigkeiten mag das berechtigt sein, für den wagen, den ich durch die berge treiben durfte, ist es unangebracht: mit ihm hatte ich genauso viel spass, wie ich es mit einem motorrad gehabt hätte. nur der gesetzgeber, die eu, macht mir, dem händler und dem hersteller einen gehörig dicken strich durch die rechnung: ein kauf mit esp kommt nicht in frage.

 

aber ein auto muss wieder her, nach jahren, in denen ich nur firmenklitschen durch die berliner strassenschluchten bewegt habe, eines, das nicht irgendwie von a nach b fährt, sondern auch abseits der vielbefahrenen strassen, deren zuckelnder verkehrsfluß verängstigt an einem lenkrad-sitzer nur mit ganz beträchtlichem gleichmut zu ertragen ist, gehörigen fahrspass bereitet; das selbstverständlich kein esp hat oder wenigstens einen knopf, der die komplette abschaltbarkeit des systems ermöglicht. damit so das vergnügen auch auf schnee, einem dem schönsten fahrbahnzustände, vollständig erhalten bleibt; einen wagen, der platz bietet für das grosse urlaubsgepäck, der den wein direkt vom winzer nach hause transportiert, der trotz eines sportlichen fahrverhaltens so kommod über die ondulierten teerdecken der kleinen strässchen, die zu fahren ich so liebe, abrollt, dass der entzückende po meiner süssen nur sanft massiert wird. und so lande ich bei einem gt im klassischen sinn. und bei chris bangle.

von dem ich dachte, er sei nichts mehr als: schuld am beliebigen, bayerischen sickendesign seit der jahrtausendwende, sei verantwortlich für den hässlichen 7ner mit dem eckigen riesenarsch; als dieses kontrovers diskutierte auto damals auf den markt kam, war das so in der motorpresse zu lesen. wenn ich heute, in den zeiten allzeit verfügbarer informationen im netz nachschaue, finde ich quellen, die sagen, dass nicht bangle, sondern bereits sein nachfolger adrian von hooydonk federführend für diese grottenhässliche linie war.

und dass chris bangle einen hinreissend formvollendeten wagen gezeichnet hat, zeitlos schön; ein auto wie ein lässig über die schultern geworfener sakko. danke! bangle, egal, was du sonst gemacht oder auch nicht gemacht haben magst, für dieses auto verehre ich dich.

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    HOLLE (Dienstag, 31 Juli 2012 12:37)

    Wow,

    dass mir beim Thema Dosenfutter mal so dermaßen das Wasser im Mund zusammenläuft, hatte ich mir als Gourmet auch nicht träumen lassen. Nun bin ich auch drauf und dran mir ne Dose zu suchen und zwar eine feine Aludose puristisch, eng, laut, gebaut nur für den Fahrspass 147 Pferde aus 2,2L Mittelmotor 890 kg schaun wir mal... ;-)

  • #2

    Ingo #57 (Donnerstag, 02 August 2012 12:51)

    Was war`n das für`n plattgedrückter?

    Und was hälsst von einem ESP-Eliminator? ;-)

    Gruß Ingo #57

  • #3

    jensinberlin (Donnerstag, 02 August 2012 15:53)

    hi ingo,

    der plattgedrückte war ein vw scirocco.
    ja, die anregung mit esp-eliminator greife ich wohl auf - immerhin verkauft sich der ABSsolator wie geschnitten brot, da sollten auch ein paar esp-befreier an den mann / die frau zu bringen sein.

"riding shouldn't be about electronics, the limit is yours and yours only" (simon crafar)