fmübst. vom stammtischen

fmübst. vom stammtischen.

 

seit es tische, stühle und leute gibt, gibt es stammtische.

unseren stammtisch gibt es seit 10 jahren.

 

vor zwei oder drei jahren trat eine junge nette blonde aufgeregt an unseren tisch, sie hatte den wimpel mit dem italienischen fähnchen in unserer mitte entdeckt: “ wow, so was gibt´s? ich mach` grad` einen italienischkurs, seid ihr denn alle italiener?“

nein, wir sind geradewegs so deutsch wie du, unsere motorräder aber, die sind italienisch. wir haben ihr den sachverhalt dann noch etwas genauer erkärt.

sie war immer noch nett, aber sie fand uns komisch.

was ich ihr nicht verdenken kann.

 

früher, als mein leben noch ein dorf war, da war ein stammtisch etwas ganz und gar verpöntes, ein ort dumpftumper meinungsentäusserung, an dem abends all die platten unwahrheiten, denen man tagsüber zwangläufig begegnet war, zu kategorischen parolen wurden.

 

der italienerstammtisch, der stammtisch für fahrer und freunde italienischer motorräder wie er vollständig hölzern zu nennen ist, wurzelt hingegen eher im urbanen milieu: nicht die soziale herkunft entscheidet über die teilnahme, nicht der grösste bauer sitzt am tisch oder der vorsitzende des fussballvereins usw., sondern die lust, sich unter gleichgesinnten über das thema, zu dem sich seine teilnehmer zusammenfinden, auszutauschen.

 

sollte tatsächlich mal ein aussenstehender, vielleicht die nette sprachschülerin von vorhin, nach der begründung für diese art der regelmässigen zusammenkunft fragen, dann wird erklärt, dass es dabei um den austausch von erfahrungen geht.

das stimmt.

unter dem gleissenden licht aller wissenschaften vom menschlichen zusammenleben betrachtet, ist diese art des stammtischs eine informelle gruppe; jeder hat zu ihr zugang, die rolle des einzelnen ist nicht von vorne herein festgelegt, sie ergibt sich zwangslos ganz nach gusto und geschick.

und da es bei dieser lockeren zusammenkunft keinerlei verpflichtungen, keine obliegenheiten und über eine zumindest sporadische anwesenheit hinaus kein weiteres engagement gibt, ist ein stammtisch seinen mitgliedern in allererster linie ein wohldosiertes therapeutikum.

 

unterstützt wird die therapie von bier.

wenn ich heute, für kurze tage heimgekeht aus der diaspora, mal gelegenheit habe, am schwäbischen stammtisch in der krone zu sitzen, mit einem dickwandigen humpen vor mir, dann mache ich das mittlerweile sehr gerne.

lass` dabei die seele baumeln, schwätze mit, wo mir danach ist und erfreue mich daran, dass der eloquente geschichtenerzähler und der immerzu still in die runde nickende und der derbe mitderfaustaufden-tischklopfer und der belesene mit seinem wägenden einwand und der wirt zwischen seinen bierordern in trauter runde beisammen sind. und jeder wird genommen, wie er ist.

 

vor zehn jahren haben wir unseren stammtisch gegründet. damals war es ein reiner guzzistammtisch. über die jahre haben wir den stammtisch ein paar mal umgestellt, heute steht er an der berliner spinnerbrücke. wir sind noch die gleichen und die selben stammtischbrüder wie damals; doch wir haben uns auch erweitert: zu einem stammtisch für fahrer aller italienischer marken, mehr noch, seit langem schon sind wir regelrecht fmübst*.

 

sollte sich also mal jemand auf ein stündchen lockerer therapeutischer übungen zu uns setzen wollen, gerne! wir treffen uns jeden ersten und dritten mittwoch eines monats ab 19 uhr an besagter berliner spinnerbrücke.

 

 

*f orum und m otorrad ü bergreifender

b erliner st ammtisch.

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Mario (Freitag, 20 April 2012 18:22)

    *prost*

"riding shouldn't be about electronics, the limit is yours and yours only" (simon crafar)