und vergebe uns unsere sünden nicht. die reform der verkehrssünderkartei

eines tages wird die ganze welt zusammensein.

auf amasia. dem superkontinent. wir werden eine super-eu bislang unbekannten ausmaßes sein, mit einer superregierung für alle, der dazugehörigen superwährung und wahrscheinlich auch den entsprechenden superschulden. was aber spätestens dann keine rolle mehr spielt, sind wir doch dereinst alle ein inniglich vereinigtes vereintes eins.

 

bis das jedoch soweit ist, müssen noch einige sächelchen im nationalen rahmen umgebaut werden. wie das flensburger verkehrszentralregister, umgangssprachlich verkehrssünderkartei genannt.

das machen die ramsauer deutscher nation - der adac, das verkehrsministerium und selbstverständlich der peter, der das vorhaben bereits im juli 2010 angekündigte mit dem hinweis, dass man ganz ohne zeitdruck daran arbeite – gut ding will ja weil haben. nun ist es beinahe soweit, der medienmaschine wurden die ersten stichpunkte in ihre bereitgelegten setzkästen gepackt.

 

das punktesystem soll vereinfacht werden.

damit es auch vom pisagekrümmten verkehrsteilnehmer verstanden werde. denn nur so entfalte es seine ganze abschreckende wirkung.

ein ansatz, der nicht abwegig ist. jeder, der schon mal versucht hat, beim schnellen fahren kopfzurechnen, um zum beispiel seinen durchschnittsverbrauch zu ermitteln, wird eine vereinfachung zu schätzen wissen. rote ampel, noch schnell durchwitschen oder nicht? nur für ganz versierte besteht hier nach dem noch gültigen system die chance auf eine in sekundenbruchteilen kalkulierte entscheidung. gibt es dafür derzeit doch 0, 3 oder 4 punkte. die dann vielleicht auch noch von 18, dem machbaren high score level, abzuziehen sind, um einen vollständigen überblick auf die persönliche situation zu bekommen.

in zukunft soll es für einen rotlichtverstoss grundsätzlich einen punkt geben. fertig. gegebenenfalls muss man den noch zu einem bereits vorhanden hinzuzählen, was ja auch kein problem ist: 1 plus 1 macht 2. na, geht doch!

 

und man muss noch nicht mal bis zehn zählen können, nach 8 punkten soll bereits schluss sein mit der zählerei. und mit der mobilität, denn dann ist der lappen weg.

 

klingt nach schrecklich wenig, nur 8 statt 18!

also ist der führerschein viel früher in gefahr als bisher?

nein. sagt der ramsauende adac. nun sagt der ja dauernd sachen, die nur leute glauben können, die mit völlig sandverkrusteten augen in ihr unscheinbares leben starren.

deshalb schauen wir uns mal einen fall exemplarisch an:

das fahren mit 0,8 promille alkaloidem hefeweizen im blut soll künftig nur noch mit 2 satt bislang mit 4 punkten geahndet werden. derart gestärkt kann der überdurchschnittliche bayer bisher vom münchner biergarten auf der fahrt nach hause an den starnberger see also 4-mal erwischt werden, bevor er seine 5. fahrt ohne führerschein machen muss. nach der neuen regelung lautet die rechnung: 2 punkte je erwischter fahrt, nach vieren davon ist also schluss. pari, neu ist´s wie bisher. der adac hat ja recht!

 

nein, das hat er nicht. und jetzt wird´s für uns motorradfahrer relevant, zumindest für die mittelflotten: bisher gab es für eine geschwindigkeitsüberschreitung ausserorts ab 21 km/ h zu viel einen punkt.

und den soll es dafür auch künftig geben. das bedeutet dann aber, dass man sich bei dieser geschwindigkeitsüberschreitung nicht wie bisher 18-mal erwischen lassen kann bevor schluss ist mit lustig, sondern nur noch 8-mal.

was eine deutliche verschärfung ist. der führerschein ist also - um den faktor 2,25 - früher in gefahr als bislang.

nur für die ganz schnellen sieht die situation anders aus, denn ab 41 km/h zu viel sind derzeit noch 4 punkte fällig. sofern die reform hier also keine noch nicht veröffentlichten details enthält, wäre das ein verbesserung, denn nun könnte man derart schnell doppelt so oft in die falle tappen.

 

nun mag man einwenden, ob 18- oder 8-mal oder auch nur 4-mal erwischt zu werden, alles sei nicht sehr wahrscheinlich. hier sollte man sich vor augen führen, wie stark die überwachung in den letzten jahren zugenommen hat. immer effizientere technische möglichkeiten werden in zunehmendem maße eingesetzt; eine entwicklung, die anhalten wird. derzeit sind von 6,96 millionen eintragungen in flensburg der mit abstand grösste teil - 4,01 millionen - auf geschwindigkeitsverstösse zurückzuführen.

hinzu kommt, dass in zukunft bereits nach 4 punkten eine ermahnung erfolgen soll. verbunden mit der möglichkeit, teuer erkaufte schulungen zum punkteabbau zu machen.

 

die vorstellung der reform folgt übrigens einer fein austarierten inszenierung durch die beteiligten. einem teil der presse wurde zusammen mit den stichpunkten der reform eine deutliche erhöhung der bussgelder in ihre texte diktiert.

die aber wird nicht kommen, nicht zum zeitpunkt des inkrafttretens der reform zumindest, zu einem späteren selbstverständlich schon. schliesslich kann ein solche erhöhungen - wie bislang - unabhängig von der neuordung beschlossen werden.

die angedrohte erhöhung der bussgelder ist nur als spielball für die öffentlichkeit gedacht, damit die sich, so das kalkül, daran abarbeite. und der adac dann mit tiefem brustton die interessen seiner verkehrsteilnehmenden mitglieder wahrend den goldenen engel mimen und eine geplante bussgelderhöhung als falsch zurückweisen kann.

 

ein weiteres stichwort der reform sind die tilgungsfristen der vergehen. hier wird die reform eine vereinfachung und tatsächliche entschärfung bringen. denn die sünderpunkte sollen künftig unabhängig voneinander einzeln verjähren - 1 punkt nach 2 jahren, 2 punkte nach 3.

 

noch einfacher und vollkommen richtig aber wäre es, das flensburger verkehrzentralregister mit seinem perfide engen punktesystem ganz abzuschaffen. und nur noch das fahruntüchtige bewegen eines kraftfahrzeugs - betrunken, zugedröhnt oder blind - und die tatsächliche gefährdung anderer unter strafe zu stellen. denn entgegen der hierzulande offenbar weit verbreiteten ansicht, der mensch sei des menschen wolf und könne nur mit drakonischen mitteln davon abgehalten werden, seine mitmenschen totzufahren, kann verkehr auch locker ohne dieses dogmatische korsett organisiert werden.

das zeigt ein blick in viele länder dieser welt, deren verkehrsteilnehmer gut ohne ein derartiges regelwerk miteinander auskommen.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    LawBike.de (Dienstag, 14 Februar 2012 21:37)

    Erfrischend geschrieben!

"riding shouldn't be about electronics, the limit is yours and yours only" (simon crafar)