ein jahr antifah. ein geburtstagsstand

ein jahr antifah.de. ein geburtstagsstand

 

seit einem jahr gibt es die seite. geburtshelfer war eine pressemeldung von bosch, die eu plane die europaweite abs-pflicht. die war auf vielen motorradseiten im internet und in etlichen zeitschriften zu lesen. meist mit dem exakten wortlaut des boschtextes und häufig auch mit der ergänzung, dass bosch eine neue, besonders gut auf die erfordernisse des motorradfahrens abgestimmte abs-generation entwickelt habe.

 

ich schrieb diesen text.

 

bei nicht wenigen leuten stiess ich damit auf blankes unverständnis – bei den ewigen lebensrettern – von einigen wurde ich regelrecht angefeindet; wohl von denen, die sich vorgeführt fühlen, weil sie ohne abs mit zusammengekniffenen arschbacken auf dem motorrad hocken.

 

ich schrieb noch einiges mehr seither. zum selben thema, auch zu anderen. richtig unbeschwertes war selten darunter. vieles hatte mit dem zu tun, was für antifah.de substantiell ist: der forderung an den mündigen bürger motorradfahrer als einem teil der zivilgesellschaft im kontext der sozialsysteme autonom selbstbestimmt zu handeln. oder ein bisschen knackiger:

sapere aude, dummer motorradfahrer!

 

ich konnte feststellen, dass alles, was zum thema motorrad nicht mit direktem lustgewinn verbunden ist - „geiler sound, herrliche ausfahrt, tolle maschine“ - auf wenig interesse stösst. was ja zunächst mal recht verständlich ist. ist doch für die meisten das motorradfahren ein hobby, eine lieblingsbeschäftigung. und die sollte schön frei von unschönen sachen sei. da aber selbst der weniger in die kurve geneigte seiner leidenschaft nicht im zum hobbyraum umgebauten keller nachgehen kann, ist diese haltung kurz - ach was: sie ist gar nicht erst gesprungen. zumindest für die, die ihren endorphinspiegel regelmässig mit motorradfahren auf ein lebenswertes niveau bringen, sollte es von genuinem interesse sein, ihren lebens- und freiheitsraum vor eingriffen von aussen zu bewahren.

 

„warum groß schreiben, wenn man nicht groß sprechen kann?“

auch meine konsequente kleinschreibung eckt an. ich mag nicht viel dazu sagen, mich nicht auf einen nebenkriegsschauplatz begeben. nur das:

die regeln der rechtschreibung sind wie viele andere nicht vom himmel gefallen.

die gross/kleinschreibung enstpricht nur der zur zeit allgemein gültigen an-ordnung der buchstaben. die aufzulösen kann es gründe geben, gute oder weniger gute, vor allem aber ist es ein leichtes, es zu tun. warum und worüber vor allem genau sich mancher dabei aufregt, ist mir unklar; es sei denn, es wäre, weil ich mich derart eben nicht an die schöne ordnung halte. diese begründung freilich kenne ich nur zu gut.

 

über das schreiben an sich aber will ich ein paar worte verlieren. das habe ich vor antifah nämlich nicht getan. ich musste feststellen, dass ein talentierter leser noch lang kein talentierter schreiber ist. so sitze ich nun da und radebreche meine texte. das ist keine befreite, lockere, schnelle schreibe, das ist schwerfällig gestaktes, mühsam aus meinem inneren gewrungen. was vom talentierten leser deutlich und vom untalentierten gar nicht erst gelesen wird.

ich erfahre am eigenen leib wie verdammt nackt man als ungelenker wortklauber mit pickligem oberkörper und schwer übers schrumplige gemächt fallender wampe vor seiner tastatur hockt.

 

die petition gegen die abs-pflicht.

die liegt noch immer in brüssel. und wartet nun seit monaten darauf, überhaupt als solche vom petitionsausschuss zugelassen zu werden.

ob sie es noch vor der ende februar, anfang märz zu erwartenden

parlamentsentscheidung schafft?

 

ich habe sie nicht auf ihren weg gebracht, weil ich daran glaubte als bürger in der eu so wirklich gehör zu finden. oder damit rechnete, dass sich die kommission und das parlament mit ihren begründungen – nichtwahrung des verbraucherinteresses, unzuständigkeit der eu, unverhältnismäßigkeit der maßnahme, wahl des falschen rechtlichen instruments - ernsthaft auseinandersetzen. ich glaube auch nicht, dass einer der 44 mitpetenten diese hoffungen hegt.

so ist sie vor allem ein fanal des unwillens, des aufbegehrens gegen die maßregelung aus brüssel, eine bekundung, dass es neben motorradherstellern und zulieferern, die in der gesetzgebung ihre wirtschaftsinteressen unterbringen, auch verkehrsteilnehmer gibt, die eine teilhabe an den sie betreffenden vorgängen fordern. eine institutionalisierte möglichkeit dazu ist die petition; die leider nicht effektiv genutzt wird, also von vielen und vor allem von vielen gemeinsam.

 

und wenn die abs-pflicht kommt und die petition dann noch immer in der ablage des zuständigen ausschusses ungelesen rumgammelt, ist doch immerhin das damit explizit demonstriert. und öffentlich gemacht.

auf antifah.de.

 

was ein weiteres jahr antifah bringen wird? ich fürchte, das ein oder andere leidige thema mehr und kaum verheissung. mit ganz viel gutem willen vielleicht aber auch ein paar unbekümmert auf dem motorrad verbrachte kilometer.

in jedem falle nun: prost, alles gute zum ersten geburtstag,

liebes widerborstiges antifah!

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Mario (Samstag, 04 Februar 2012 18:09)

    Glückwunsch, mein Freund! *prost*

    Und auch wenn sie uns die letzten motorisierten Mohikaner -zweirädrig & ungeregelt- wegnehmen, so hatte das wenigstens antifah.de und Deine Texte zur Folge.

    Wenn so etwas dabei herauskommt

    "... ich erfahre am eigenen leib wie verdammt nackt man als ungelenker wortklauber mit pickligem oberkörper und schwer übers schrumplige gemächt fallender wampe vor seiner tastatur hockt. ..."

    dann darfst Du Dich gerne weiter nackig machen.

    Viele Grüße und alles Gute zum 1. Geburtstag
    Mario

    P.S.: Großartiges Startbild!

"riding shouldn't be about electronics, the limit is yours and yours only" (simon crafar)