0,053 promille

die zahl der toten und schwerverletzten im strassenverkehr soll bis 2020 um 40% sinken. dieses ziel nennt ein von bundesverkehrsminister ramsauer vorgestelltes verkehrsicherheitsprogramm, das im herbst vom bundestag verabschiedet werden soll.

 

vor allem die landstrasse wird dabei ins visier genommen; denn hier, so sagen die statistiker, sterben die meisten verkehrsteilnehmer: jeder zweite verkehrsunfall mit tödlichem ausgang ereignete sich in 2010 auf der landstrasse. und weil das sterben für die meisten von uns zu den eher unangenehmen sachen im leben gehört, die man so gerne vermeiden möchte wie zahnschmerzen, wird die verlautbarung mit einer zahl vom statistischen bundesamt angereichert, die uns erschrecken soll: 3.648 strassenverkehrstote waren es in 2010. in 2009 waren es noch ein paar mehr - 4.328. das bedeutet, in 2009 starb alle zwei stunden ein mensch auf unseren strassen.

das ist eine beeindruckende zahl, oder etwa nicht? nein, das ist sie nicht; ganz im gegenteil, sie zeigt, wie gering die wahrscheinlichkeit ist, den strassenverkehrstod zu sterben.

führt man sich nämlich vor augen, dass in 2009 in deutschland 81882342 menschen lebten, sind das gerade mal 0,053 promille verkehrstote (zudem verunfallen hierzulande auch einige leute, die gar nicht hier leben). im gleichen zeitraum starben in deutschland an herz- und kreislauferkrankungen 363.785 (4.328 verkehrstote). 220.000 an krebs (4.328 verkehrstote). 207.000 an legalen drogen wie alkohol (4.328 verkehrstote). unfalltote ingesamt gab´s 19.178; davon 7.030 haushaltsunfälle (4.328 verkehrtote), 7.817 sonstige und tja, eben die 4.328 verkehrstoten.

 

statt also der deutschen bevölkerung den alkohol oder die haushaltsgegensstände, auf die sie klettern könnten, um dann davon herunterzufallen, wegzunehmen, sollen nun, neben weiteren maßnahmen, mehr blitzer auf die landstrasse, mehr rüttelstreifen auf die autobahnen und der einsatz von fahrassistenzsystemen - das abs am motorrad wird ausdrücklich erwähnt – soll verstärkt und so für eine umverteilung in der todesstatistik gesorgt werden. denn dass weniger verkehrstote weniger tote generell bedeuten, dagegen spricht nun mal die naturgesetzliche lebenswirklichkeit.

 

dabei treibt ramsauer seine sau nicht ganz freiwillig durchs deutsche dorf. er reagiert damit auf die jüngst von der eu neuerlich propagierte vision zero. einem völlig überzogenen null tote – ansatz, der mithilfe äusserst rigider maßnahmen,vor allem aber mit einer abkehr von der bisherigen rechtspraxis, den unfalltod aus dem strassenverkehr komplett verbannen will.

diesen ansatz will ramsauer nicht um jeden preis umsetzen. das kann er so handhaben, solange die eu die zuständigkeit für den strassenverkehr nicht an sich zieht. was sie, folgt man der in den letzten jahren von ihr ausgeübten auslegungen des lissabonvertrags, allerdings jederzeit tun kann.

 

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