offener brief

wer schreibt schon gern briefe?

das schreiben von briefen war, sehen wir mal von den klassikern wie schiller und goethe ab, auch in der vergangenheit nicht sehr beliebt. und ist heute, nach der erfindung der email, meist überflüssig.

persönlich habe ich in meinem leben ungefähr zwei briefe geschrieben. einen an meine liebe omi, strategisch schlaue anderthalb monate bevor ich sie um eine unterstützung bei der finanzierung meines führerscheins bat. und dann gab es da noch den schmachtbrief an meine spätere freundin.

ich habe also wenig, aber doch immerhin gute erfahrungen mit dem schreiben von briefen; darum werde ich es mal wieder ausprobieren.

 

dieses mal in form eines offenen briefs. an zonko, den chefredakteur der zeitschrift „der reitwagen“. auf den ich mich ja bereits letztens bezogen habe.

 

der anlass für diesen offenen brief nun ist zonkos artikel in der aktuellen ausgabe des reitwagens 10/2011 (den aus österreich kommenden reitwagen gibt es seit geraumer zeit auch in deutschland, zumindest im richtig gut sortierten zeitschriftenladen) in der er sich eine ganze seite (81) zeit nimmt, seinen unwillen gegen motorräder mit elektronischen fahrhilfen wie abs und traktionskontrolle kund zu tun. ach was, kund zu tun - in die welt schreit er sie! hinter seinem kampf, dem aussichtslosen, wie er wahrscheinlich nicht ganz zu unrecht meint, stecke, so schreibt er, die befürchtung, dass diese art der „authentischen, charismatischen“ motorräder, die in seiner „seele sind wie die sonne im blau“, aussterben werden.

also:

 

„lieber zonko,

du hast in der aktuellen ausgabe einen wunderbaren artikel „abs & elektronik / don quischrotte“ geschrieben, der mir so vollkommen aus der seele spricht, dass ich mir erlaube, dich einen bruder - einen grossen bruder - im geiste zu nennen.

hast du dir meine seite www.antifah.de mal angesehen?

da kein motorradfahrender mensch in den unendlichen weiten des internets zufällig über sie stolpert, habe ich dir bereits am 7.juli diese email zukommen lassen:

„liebe reitwagentreiber,

euch zur kenntnis meine heute online gestellte kollektivpetition gegen eine eu-weite abs-pficht auf www.antifah.de verbunden mit der bitte, sie auch eurer leserschaft zur kenntnis zu bringen.

wegen der parlamentarischen sommerpause plane ich die petition bis ende august zum unterzeichnen online gestellt zu lassen und sie dann anfang september dem petitionsausschuss zukommen zu lassen.

bei rückfragen stehe ich euch gerne zur verfügung.

viele grüsse jens“

 

den hinweis im reitwagen gab es nicht. oder habe ich ihn übersehen?

dann schmeiß` diesen brief weg und schick` mir einen abovertrag auf lebenszeit.

ich gehe mal davon aus, dass ich mich nicht täusche. denn hätte es ihn gegeben, den hinweis, wäre die petiton von weit mehr leuten unterstützt worden.

 

ich frage dich also ganz offen: warum bist du meiner bitte nicht gefolgt?

ich würde dich das nicht fragen, wenn du der abs-prediger christian pfeiffer von der motorrad wärst oder irgendein mitläufer, der die entwicklung schweigend hinnimmt. ich frage dich das, weil du der zonko bist, der mehr als einmal und mehr als deutlich schrieb, dass er frei von elektronischen spassbremsen seine schleifen durch die motorradwelten ziehen will. und dass er dafür kämpft!

 

die petition gegen die einführung einer eu-weiten abs-pflicht wird, so vermute ich, vom eu-parlament 10 minuten lang „beraten“ werden, anschliessend wird ein angestellter ein schreiben aufsetzen in der art „vielen dank für ihre aktive teilhabe an der demokratischen willensbildung. wir wissen ihr engagement sehr zu schätzen, sind aber, nach eingehender prüfung, zu der auffassung gekommen, dass die von ihnen genannten gründe der einführung des abs nicht entgegenstehen“. obendrauf gibt es dann noch mal die von den sogenannten fachleuten geschätzten zahlen - 6.000 tote weniger in 10 jahren - dank der abs-pflicht.

das wird`s dann auch schon gewesen sein.

 

nein nicht ganz! bleiben wird die tatsache, dass diese eingabe gemacht, der versuch unternommen wurde. ein nicht sehr aussichtsreicher zwar, aber ihn zu tun, tat nicht allzu weh. ein bisschen arbeit hat er mich gekostet und die petititonsunterzeichner ihre zustimmung.

 

lieber zonko, offensichlich blasen wir mit unserem unwillen, elektronisch stranguliert zu werden, ins gleiche horn. warum tun wir das nicht gemeinsam? die „anderen“ die abs-befürworter, das konglomerat aus bosch-adac-ifz-motorpresseverlag.-und-wie-sie-alle-heißen, machen das doch auch.

erfolgreich, wie man in den motorradforen jederzeit nachlesen kann.

 

darum wiederhole ich meine frage: warum hast du den link zur petition nicht gedruckt? für den unwahrscheinlichen fall, dass es zum abs innerhalb eurer redaktion unterschiedliche auffassungen gibt, sei dir gesagt, dass damit ja noch keine aufforderung zur zeichnung der petition verbunden gewesen wäre. ob ich den neuen handschuh xy, den ihr mir auf euren seiten zeigt, gut finde und dann kaufe, entscheide ich als leser ja auch selbst.

 

sollte, man beachte hier den konjunktiv, es doch den hauch einer chance geben, die oktroyierte 100 % abs-quote, wie auch in zukunft den einsatz weiterer fasm (fahrassistenzsysteme) zu verhindern, dann funktioniert das nur über öffentlichkeit.

hier wird die meinung gemacht. kreiert von den pr-agenturen der hersteller, von willfährigen magazinen vielleicht ein bisschen umgetextet und von allen, die das leben generell und das motorradfahren im besonderen für viel zu gefährlich halten, gerne wiederholt.

deshalb sind deine aussagen im reitwagen wichtig. sie setzen einen kontrapunkt. wie es auch die petition gegen die abs-pflicht macht, die sich zudem direkt an diejenigen richtet, die sie beschließen sollen.

ein zonkoreitwagenmultiplikator hätte ihr verdammt gut getan!

 

viele grüsse

jensinberlin

 

das habe ich dem zonko also geschrieben.

ob er mir antworten wird? 

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"riding shouldn't be about electronics, the limit is yours and yours only" (simon crafar)