donne e dolori. frauen und schmerzen.

italien. sonne, wein und schöne menschen. hügel, berge, kurven.

auch wenn hin und wieder meldungen von einem obrigkeitsstaatlich durchs land wütenden behemoth das süsse bild ein wenig trüben (jüngst: stilllegung beim fahren mit falschem kennzeichenwinkel), italien bleibt doch eine bilderbuchwelt des motorradfahrens. hier lässt sich die enge deutsche seele - gut verpackt in gore tex - für ein paar wundervolle tage im jahr locker im fahrtwind baumeln. und herbrennen. von knackig–braunen italienern im t-shirt und kurzen hosen.

die abs-dichte ist gering, sogar eine allerweltshonda in mausgrau gibt`s ohne. frisch vom händler.

klar, dass auch die motorradmagazine in italien verspielter, ausgelassener, ja geradezu leichtlebig sind. ein schönes beispiel flatterte mir als beilage der augustausgabe der masterbike, einem motorradsportmagazin, entgegen:

donne e dolori. selbst übersetzt und so seinem wohlklang beraubt, verheisst der titel gar lustvolles: frauen und schmerzen.

auf einigen doppelseiten mehr als ich euch hier zeige, sind kleine fotogeschichten von rennstürzen zu sehen. und schöne frauen. "die magische welt der rennstrecken. jedes rennen hat viele aufsehen erregende seiten wie die sonnenschirmchen (so nennen die italiener ihre gridgirls/d.verf.), die das drumherum vergnüglich machen. und die stürze, die einem den atem rauben."

so steht es im untertitel der beilage. die sonnenschirmchen sind harmlos aber hübsch, die stürze spektakulär.

 

donne e dolori. eine gute gelegenheit, mal einen ganz persönlichen blick auf die blühende landschaft der deutschsprachigen motorradzeitschriften zu tun. denn davon gibt es reichlich. im gut sortierten bahnhofsshop einer deutschen großstadt wuchern sie auf anderthalb metern regalfläche. viele davon widmen sich einem speziellen genre, wie dem customizing oder dem supermotofahren. über sie kann ich nichts sagen, denn als tourenfahrender eisenarsch gehöre ich nicht zu ihrer klientel. zur leserschaft der magazine mit „touren“ oder „reisen“ im titel jedoch auch nicht. deren kurven- und knödelberichte interessieren mich nämlich nicht. wenn ich fahre, mache ich nichts anderes, angehalten wird nur zum ttp (tankentrinkenpissen), mein fahrstil ist landschaftsfrei. und in der biker-freundlichen unterkunft im haus erika mit dem selberfahrenden! wirt und seinen ollen tipps werde ich auf keinen fall übernachten. wenn es dunkel wird, suche ich mir irgendeine bleibe mit einem bett für die nacht.

 

ausserdem brauche ich gar keine motorradzeitung zu einem speziellen thema oder einem schwerpunkt. was ich nach einem langen arbeitstag mit in die badewanne nehmen will, ist ein magazin mit allen aspekten des motorradfahrens, mit allen arten von motorrädern. den test eines supersportlers lese ich genauso gerne, wie den über die schwere tourenwumme. am report aus der rennszene bin ich so interessiert wie an pflegetips für leute, die ihr motorrad im hinterhof stehen haben. ich will zum thema motorrad und dem drumherum informiert sein. und dabei gut unterhalten werden.

ein laues blättchen wie den motorradfahrer nehme ich also gar nicht erst in die hand.

und die motorrad, die auflagenstärkste motorradzeitschrift am deutschen markt, dem meinungsmacher am treff, mag ich nicht. denn ich zweifle an ihrer journalistischen unabhängigkeit, die tests sind mir zu tendenziös, hinter den artikeln scheinen die marktingabteilungen der hersteller mit erhobenem zeigefinger oder mit sonst was herumzufuchteln. die texte sind meist banal und reichlich platt. eine in der redaktionskonferenz ergangene aufforderung „mach`mal was mit emotionen!“ liest sich immer mit. zudem gibt es für die meisten artikel offenbar ein paar vorlagen, die in ihren details nur jeweils angepasst werden. das ist uninspiriert. das ist langweilig.

 

genau das gegenteil davon, nämlich unabhängig, kritisch und gar nicht langweilig, geradezu beseelt vom thema motorrad ist die mo.

oder war sie das? denn seit einigen ausgaben fehlt viel von dem, was sie bislang ausmachte.

seit ich sie lese, in all den jahren, war ein besonderer geist für die mo essentiell. der heisse atem der angefressen, der verstrahlten, derjenigen, die „motorrad leben“.

die mittlerweile zahlreichen vorstellungen von sicherlich interessanten lesermotorrädern und umbauten stehen diesem geist weiss gott nicht entgegen, aber zum einen sind nicht alle leser derart technikaffin, dass sie gut entwickelte synapsen für materialfetischismen und abgetickte detaillösungen haben. zum anderen - und das ist wesentlich - sind die dazu gehörigen texte leblos. denn die gute schreibe ist`s, die in der mo seit geraumer zeit deutlich zu kurz kommt; texte, die den oben benannten geist atmen, dabei doch selbstreflektierend mit feiner ironie spielen, die so klug sind, wie viele ihrer leser: kritisch und wach und trotzdem ganz tief drin im „motorradsein“. die mo ist mir in erster linie beste motorradliteratur, mit der ich grossartige momente hatte, wenn ich lesen durfte, was ich immer schon latent fühlte, aber nie mit derart köstlichem wortwitz auszudrücken vermochte. dafür braucht es keine eigene rubrik, im gegenteil, diese feine schreibe darf durch alle artikel wabern. statt dessen muss ich davon völlig unbeleckte „ich erkläre dir jetzt alles“ tests lesen, die einem jeden popel am motorrad unter die nase halten.

und welchem trend versucht die mo hinterherzulaufen, wenn sie seitenweise mode zeigt? sind es eins ums andere mal die cafe racer? eine schöne gattung motorrad, aber eben nur eine von vielen und ob die dauerhaft tragfähig ist, bezweifle ich. ein teil der szene ist, wie immer wenn etwas gerade angesagt ist, ausgesprochen affig und aufgesetzt. in zwei, drei jahren haben viele der jungs ihre kisten längst verkauft. und fahren cabrio oder machen sonst was.

aber es ist nicht alles schlecht derzeit. so sind die reifentests noch immer saugut.

 

und den reitwagen gibt es auch noch! den hatte ich, das muss ich eingestehen, aus dem blick verloren. jetzt, da die die mo derart schwächelt, wieder entdeckt. ich werde mir also auch in der nächsten ausgabe den double knee down ankucken. noch ein wort zum aktuellen heft. der qualifyer test kommt mir höllisch profund vor, tatsächlich wie „state of the art“. und die tatsache, dass der bericht über die hyosungs ohne jeden stigmatisierenden verweis auf ihre „billige“ herkunft auskommt, ist ausdrücklich erwähnenswert.

 

tja und dann gibt es da noch die fastbike.

den abozettel mit meiner adresse drauf habe ich gerade abgeschickt. obwohl sie – anders wie die mo oder der reitwagen – kein „rider´s digest“ ist, ohne breitem themenmix also, sondern für die schnellen burschen, lese ich sie mit wachsendem genuss. das ding wird immer besser. tief drin in meiner tourenfahrerhose bin ich halt auch ein kompetitiver racer, der die tourenschwuchtel da vorne, einige kurven vor mir, möglichst schnell vollstrecken will.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Norbert (Sonntag, 28 August 2011 15:51)

    Klasse Beitrag.(Ich meine Deinen Text)Sowas könnte auch in der MO stehen.Oder bei den Reitwaglern.
    Interessanter Weise steht die Auswahl der Moppedlektüre und die Abneigung gegen den zeitgeistigen elektronischen Zivilisationsmüll wie ABS und Traktionskontrolle in einem direkten Zusammenhang.Mach weiter so!Viele Grüsse von einem MO/Reitwagen-Leser

"riding shouldn't be about electronics, the limit is yours and yours only" (simon crafar)